Alltags-Helden. Heute: Sozialminister Baaske

Während andere Politiker urlaubend auf Jachten herumbrausen oder sich für ein Interview per Hubschrauber an den Nordseestrand verfrachten lassen, absolviert Brandenburgs Sozialminister Günther Baaske ein Praktikum in einem Altenheim in Bad Belzig. „Die Anerkennung für den Beruf (der Altenpflege) ist bei mir enorm gewachsen“, verriet der dem Deutschlandradio in einem Interview. „Es ist eine Arbeit, die psychisch, aber auch physisch wirklich große Anforderungen stellt an jeden Einzelnen.“ Die Altenpflegerinnen müssten besser bezahlt werden: „Es ist ja leider so, dass, wenn Sie an Ihrem Auto die Reifen wechseln lassen, dass derjenige wesentlich besser bezahlt wird als der, der womöglich Ihrem Vater oder Ihrer Mutter hier die Windeln wechselt.“

Er mache das mit den Praktika schon viele Jahre: „Ich habe ökologische Gebäudesanierung gemacht, ich war im Hochbau, ich war im Tiefbau, war in der Kinderkrippe und Kindergarten, war im vergangenen Jahr in einer Werkstatt für behinderte Menschen, immer eine Woche, und ich muss sagen, diese Woche gibt mir unendlich viel, sie bereichert, wenn man wirklich mal tiefer einsteigt, als man es ansonsten bei den ministeriellen Besuchen mitkriegt.“

Wäre das nicht eine großartige Sache für alle Minister? Praktika in all den Lebensbereichen, die sie verwalten? Bundessozialministerin Ursula von der Leyen bekocht eine Woche eine Familie, die ihre Lebensmittel von Hartz IV bezahlen muss. Bundesumweltminister Norbert Röttgen wechselt eine Woche Brennelemente in einem Atomkraftwerk und wertet die Radioaktivitätsmessungen aus. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer muss eine Woche lang für pünktliche Züge sorgen. Bundesgesundheitsminister Bahr leert eine Woche Nachttöpfe im Krankenhaus. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble verfolgt eine Woche lang Steuerhinterzieher. Wetten, dass die Politik sich dadurch verbessern würde?

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Blaue Ökonomie schließt Arme mit ein

Gunter Pauli, der charismatische Mitbegründer der „Blue Economy“, ist der Überzeugung, dass „Grüne Ökonomie“ allein nicht genügt – die Produkte sind zu teuer für die Armen. Er plädiert deshalb für einen neues „Geschäftsmodell“, wie er das nennt. Hier ein Interview, das Annette Jensen und ich für die Pfingstausgabe der taz mit ihm geführt haben. interviewpauli

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