Doktor- und Adelstitel für alle!

Und wieder sind die Zeitungen voller Geschichten über Dr. Feelgood alias Dr. a. D. Fehlgutt. Jahaha, da lernt man, wie man es machen muss: Der Universität Bayreuth ein paar Tausender als Spende überweisen, und schon… summa cum fraude. Oder SUMMA CUM gekLAUTE. Wie? Was? Natürlich besteht hier keinerlei Zusammenhang, KEINERLEI! Das haben sicherlich auch diejenigen weit von sich gewiesen, die gestern in einer Demonstration vor dem Berliner Verteidigungsministerium dem Minister die Schuhsohle gezeigt haben.

Im Übrigen verstehe ich die Aufregung der Demonstranten nicht, leistet der Minister doch gerade einen wertvollen Beitrag zur Demokratisierung der Gesellschaft. Er zeigt uns allen beispielhaft: Es ist soooo einfach, einen Doktortitel zu ergattern! Deshalb sollten wir alle sein Werk konsequent zu Ende und selbst einen Doktortitel führen. Und wenn wir schon dabei sind, gleich einen Adelstitel dazu.

Findet: Freifrau Doktor Ute von und zu drunter und drüber Scheub
P.S.: Zu dumm, dass ich meinen Doktortitel schon vor der Guttenberg-Affäre besaß. Hätte ich mir doch viel Arbeit ersparen können!

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Hunderttausende in Wut und Zorn

Erneut haben gestern Hunderttausende protestiert, in der Hauptstadt und in insgesamt 230 Städten und Gemeinden. Sie sind wütend und zornig, sie fordern „Würde und Freiheit“, sie verlangen den Rücktritt des autoritären Herrschers, sie kämpfen „für die Würde der Frauen“. „Erst Mubarak, dann Silvio!“, schreien sie. Auch wenn es wenig wahrscheinlich ist: Hoffen wir, dass Bordellusconi, dieser Schwanz auf zwei Beinen, endlich geht und Italien befreit wird.

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Schuhsohlenzeigen hat gewirkt!

Mubarak ist abgetreten! Großartig! Das ägyptische Volk hat mit seinem mutigen und bewundernswerten Aufstand gezeigt, dass gewaltfreie Revolutionen möglich sind – auch dann, wenn die Gegenseite zu Gewalt greift. Ob wohl das kollektive Schuhsohlenzeigen auf dem Tahrirplatz der letzte Anstoß für den Abgang des Pharao war?

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Schuhsohlen für Mubarak

Wunderbar, wie die Leute auf Kairos Befreiungsplatz kollektiv ihre Schuhsohlen gegen den Diktator Mubarak hochhielten!, als dieser ihren Freiheitswillen mit einer nichtssagenden Rede beleidigte.

Übrigens haben Forscher der Princeton University ein flexibles Material für Schuhsohlen entwickelt, das die mechanische Energie der Füße zu achtzig Prozent in elektrische Energie umwandelt. Es handelt sich um ein gummiartiges Sandwich aus Silikon und weiteren Stoffen, die unter mechanischem Druck eine Spannung aufbauen. Diese Spannung lässt Strom fließen. Irgendwann werden wir also beim ganz alltäglichen Gehen nutzbare Elektrizität erzeugen.

Aber vielleicht ist es ganz gut, dass die Ägypter solche Schuhe noch nicht tragen. Ihr Zorn hätte sonst den ganzen Tahrirplatz unter Strom gesetzt.

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Frauen fördern heißt Kriege verhindern

Am 20.Februar erscheint im Westend Verlag das von taz-Chefredakteurin Ines Pohl herausgegebene Buch „50 Vorschläge zur Veränderung der Gesellschaft“, für das ich zusammen mit Mathias Bröckers und Jürgen Gottschlich die Redaktion gemacht habe. Hier ein Auszug aus einem meiner darin veröffentlichten Beiträge:

„Wo Frauen das Sagen haben, geht es auch den Männern besser“, behaupten zunehmend auch Männer. Zum Beispiel Ricardo Coler, ein argentischer Reporter. Bei der chinesischen Minderheit der Mosuo gebe es weder Ehen noch Kleinfamilien und Gewalt, dafür viele Freiheiten für Frauen und Männer, berichtet er in seinem Buch „Das Paradies ist weiblich“. Maos Kommunisten hatten die Musuo-Männer vom Leben in der mutterzentrierten Großfamilie abbringen wollen – sie weigerten sich.

Ähnlich sah es bei den Semai aus, die bis in die 1980er Jahren unberührt im tiefsten Dschungel von Malaysia lebten. Ethnologen berichteten, die Semai seien das friedlichste Völkchen der Erde, sie kennten keinen Statusunterschied zwischen Frauen und Männern, keine Aggression oder sexuelle Gewalt, auch keinen Staat, kein Privateigentum, keine Hierarchien. Ehen würden auf Zeit geschlossen, außereheliche Beziehungen sähen die Semai als „ein Ausleihen“. Konflikte würden in langen Palavern gelöst. Die Semai sagten über dieses Verfahren: „Es gibt mehr Gründe, einen Disput zu fürchten als einen Tiger.“

Von insgesamt 25 friedfertigen Gesellschaften, die die US-Friedensforscherin Elise Boulding auf www.peacefulsocieties.orgvorstellt, sind 19 geschlechteregalitär: Der Status von Frauen und Männern unterscheidet sich nicht. Es existiert offenbar ein enger Zusammenhang zwischen Statusgleichheit und Friedensfähigkeit. (…)

Statusunterschiede können umgekehrt leicht zu innerer und äußerer Gewalt führen, das weiß man auch von der Unterdrückung ethnischer oder religiöser Minderheiten. Der Geschlechterstatus aber ist ein strategisches Schlüsselelement, weil die konkrete Erfahrung von Gleichheit oder Ungleichheit oder gar Gewalt zwischen Eltern schon bei kleinen Kindern die Spur bahnt, ob sie in ihrem späteren Leben egalitär-gelassen oder autoritär-aggressiv mit allen „Anderen“ umgehen.

Marx hat mit einem schönen Spruch das ganze Elend des Geschlechterkampfs auf den Punkt gebracht – nein, nicht Karl, sondern Groucho Marx. Der Komiker sagte zu einer Dame, die sich seinem Sitzmöbel näherte: „Madam, ich würde ja meinen Sitz für Sie aufgeben, wäre da nicht die Tatsache, dass ich selbst darin sitzen würde!“ Männer wollen Machtpositionen nicht gern abgeben, obwohl es ihnen selbst nützen würde.

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