Salus-Hauptpreis für die „Humusrevolution“

Für das Buch „Die Humusrevolution – wie wir den Boden heilen, das Klima retten und die Ernährungswende schaffen“ wurden Stefan Schwarzer und Ute Scheub gestern in München mit dem Hauptpreis von Salus ausgezeichnet.

Mit dem Medienpreis des Öko-Gesundheitsunternehmens werden Veröffentlichungen prämiert, „die sich kritisch mit den Risiken und Auswirkungen der Agro-Gentechnik beschäftigen oder der Frage nachgehen, welche Chancen eine ökologische und gentechnikfreie Landwirtschaft für eine gesunde Lebensweise eröffnet. Dabei legt die Jury besonderen Wert auf eine sachkundige, inhaltlich präzise und allgemeinverständliche Auseinandersetzung mit dem Thema. Weitere Bewertungskriterien sind die Aktualität, Qualität, Nachhaltigkeit und Kreativität der Umsetzung.“

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Demokratie – die Unvollendete

Im Auftrag des bundesweiten Vereins Mehr Demokratie habe ich ein neues Buch geschrieben, das im oekom-Verlag erschienen ist. Der Verlag kündigt es folgendermaßen an:

Vorwärtsverteidigung durch Partizipation

Die Demokratie ist durch Vertrauensverlust bedroht, was rechtspopulistische Bewegungen geschickt ausnutzen. Ist das das Ende dieser jahrhundertealten Idee? Ganz und gar nicht! Ute Scheub und der Verein Mehr Demokratie e.V. sind überzeugt, dass die Demokratie dem menschlichen Grundbedürfnis nach Resonanz entspringt. Um die aktuelle Resonanzstörung zwischen Regierenden und Regierten zu beseitigen, empfehlen sie Volksabstimmungen, ausgeloste Bürgerräte, Bürgergutachten, kurz: eine Vorwärtsverteidigung der Demokratie durch neue partizipative Formen.

Das Buch Demokratie – die Unvollendete >, das Beispiele aus der Praxis und kreative Denkmodelle präsentiert, gibt es kostenfrei als PDF zum Herunterladen. Es ist gratis unter diesem Link herunterladbar. Gegen Spende ist die Printausgabe bei Mehr Demokratie bestellbar.

 

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Regeneration ist möglich

Ein Manifest anlässlich des Erscheinens von  der „Humusrevolution“ am 20.Februar 2017  im oekom-Verlag 

Der Stopp der Klimakrise und die Regeneration der planetarischen Ökosysteme binnen weniger Jahrzehnte ist möglich – einfacher und schneller, als die meisten annehmen. Das ist die Botschaft dieses Buches.

Das Grundrezept:

* Ersatz der Agroindustrie durch regenerative Agrikultur,

* Ersatz der Fossilenergie durch regenerative Energien.

Die Lösung liegt uns buchstäblich zu Füßen. Die Natur hilft uns mit dem Wunder der Photosynthese, den Kohlenstoff aus dem atmosphärischen Kohlendioxid dorthin zu bringen, wo er herstammt und nun dramatisch fehlt: in den Boden. Humusaufbau entzieht der Atmosphäre Treibhausgase, macht den Boden fruchtbar, sichert die Ernährung, erneuert das Grund- und Trinkwasser, sorgt für gesunde Pflanzen, Tiere, Menschen, regeneriert ganze Landschaften, drängt Versteppung und Verwüstung zurück, schafft Millionen sinnvoller Arbeitsstellen. Eine Win-Win-Win-Lösung. Viele Beispielprojekte im In- und Ausland zeigen, wie es geht.

Wir brauchen dafür keine High-Tech, kein gefährliches Geo-Engineering, keinen globalen CO2-Handel, keine Gentechnik, keine chemischen oder bioökonomischen Mixturen aus den Labors der Agrokonzerne. Eine rein biologische Ernährung der Weltbevölkerung ist möglich, und sie ist nötig, denn sie hilft bei der Heilung der Ökosysteme. Mehr noch: In einer Welt voller Gewaltkonflikte um Ressourcen und Millionen von Umweltflüchtlingen ist regenerative Agrikultur ein Schlüssel zum Frieden.

Den Schlüssel zu kennen reicht allerdings nicht. Das Tor zur Regeneration der Erde wird von Agrokonzernen, Großgrundbesitzern und Wirtschaftslobbyisten blockiert. Wichtiger als CO2-Handel wäre eine Landreform zugunsten von (klein)bäuerlichen Höfen, die agrarökologisch produzieren, und eine Streichung aller direkten und indirekten Subventionen für umweltzerstörende Produktion von Lebensmittel und ihren Export. Wir brauchen wahre Preise, die den ökosozialen Schaden oder Nutzen eines Produkts ausweisen.

Die global verflochtene Agroindustrie mit Konzernen wie Monsanto & Co gefährdet das Überleben der Menschheit genauso wie die Energiekonzerne. Sie muss zurückgedrängt werden zugunsten von gemeinnützigen Stiftungen und Organisationen, die in die vernachlässigte agrarökologische Forschung investieren und die Kleinbauern und vor allem Kleinbäuerinnen weltweit unterstützen.

Mit Wissen über regenerative Methoden, das alte Traditionen mit neuen Erkenntnissen verbindet, kann auf weit kleineren Flächen als bisher mehr und intensiver geerntet werden. Permakultur, Biointensivkulturen, pfluglose Bodenbearbeitung, Terra Preta, Holistisches Weidemanagement, Agroforstsysteme und weitere Praktiken weisen den Weg. Eine Region, die so wirtschaftet, kann Flächen an die Wildnis zurückgeben und gefährdeten Arten ein Refugium bieten. Denn das Artensterben gefährdet das Überleben der Menschheit inzwischen mehr als die Klimakrise.

Alle Lösungen sind vorhanden. Wir brauchen nur eine entschlossene Zivilgesellschaft, die sie durchsetzt, und Politiker, die nicht länger die Agroindustrie strukturell bevorzugen. Eine solche Agrarwende würde in Deutschland laut Umfragen von einer großen Bevölkerungsmehrheit unterstützt.

Wir brauchen einen nationalen und internationalen Zusammenschluss von Kleinbauern-, Umwelt-, Klima- und Ernährungsbewegungen. Oder um Ronnie Cummins als Mitbegründer des globalen Bündnisses »Regeneration International« zu zitieren: Es bedarf einer »massiven Graswurzelarmee von Erd-Regenerierenden: drei Milliarden Kleinbauern und Dorfbewohnerinnen, Rancher, Hirten, Waldbewohnerinnen, Stadtgärtner und indigene Gemeinden – assistiert von mehreren Milliarden bewussten Konsumenten und urbanen Aktivistinnen.«

 Regeneration ist möglich – lokal, regional, national und global. Worauf warten wir noch?

Ute Scheub, Stefan Schwarzer: Die Humusrevolution – Wie wir den Boden heilen, das Klima retten und die Ernährungswende schaffen. oekom Verlag 2017

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Bundesverdienstkreuz für meine afghanische Freundin

Meine afghanische Freundin Mariam Notten hat am 12. Oktober im Roten Rathaus von Berlin das Bundesverdienstkreuz verliehen bekommen – und ich bin sehr stolz auf sie. Frauensenatorin Dilek Kolat würdigte ihre langjährigen Verdienste um Frauen-, Kinder- und Menschenrechte und bezog sich dabei auf unseren Verein Scheherazade. Hier der Pressetext:

„Mariam Abrahami-Notten erhält die Auszeichnung, weil sie sich seit vielen Jahren für die Gewährleistung von Bildung und Sicherheit für Kinder und Jugendliche sowie die Förderung wirtschaftlicher Eigenständigkeit und beruflicher Perspektiven für Frauen einsetzt. Zu Ihrem Engagement gehört vor allem die konkrete Hilfe durch den Aufbau und die Unterstützung von Projekten und Hilfsorganisationen. Ein Schwerpunkt dieser Arbeit liegt zum Beispiel im afghanischen Kultur- und Kommunikationszentrum Berlin und in der Berliner FrauenfrAKTION. Außerdem hat sie den Unterstützungsverein für afghanische Kriegsopfer „Scheherazade“ mitbegründet, der zum Ziel hat, die Opfer der Kriege in Afghanistan zu unterstützen und ihre Not zu lindern. Der Verein baute ein Waisenhaus und eine Schule in Saradj und unterhält mehrere Projekte zur Selbstversorgung von Frauen und Witwen. Es gibt außerdem ein Frauenbüro für die dortige Frauenorganisation, eine Teppichweberei, eine Schneiderei und eine Bäckerei sowie einen kleinen Kindergarten.

Hier die Pressemitteilung

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Riesige Mehrheit für Naturschutz, Energiewende und Tierwohl

Nicht immer fördern repräsentative Umfragen Erfreuliches zu Tage. Die vierte bundesweite Befragung der deutschen Bevölkerung zu ihrem Naturbewusstsein aber schon. Laut dieser vom Bundesumweltministerium am 27.April 2016 veröffentlichten Umfrage ist eine riesige Mehrheit der Bevölkerung für Naturschutz in Stadt und Land, für die Energiewende, für regionale Kreislaufwirtschaften, Bioausbau und Tierwohl. Und eine ebenso gigantische Mehrheit wendet sich gegen Pestizide, Kunstdünger und Gentechpflanzen.

Die Ergebnisse im Einzelnen: Für 94 Prozent gehört die Natur zum guten Leben, 90 Prozent geben an, in der Natur „glücklich“ zu sein. 93 Prozent wollen das Tierwohl in der Landwirtschaft berücksichtigt wissen. 85 Prozent befürworten regionale Kreisläufe und 84 den Ausbau der Biolandwirtschaft. 97 Prozent finden öffentliche Parks wichtig, 92 Prozent schätzen Naturräume in der Stadt als Raum für Erholung und Entspannung – vor allem Ältere und finanziell Benachteiligte. Und trotz aller PR-Kampagnen der Gegenseite unterstützen weiterhin 90 Prozent den Ausbau der Erneuerbaren Energien.

91 Prozent glauben, dass Pestizide schaden. 86 Prozent lehnen den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen ab und 79 die Fütterung von Nutztieren mit solchen Pflanzen. 74 Prozent möchten auf den Einsatz von Kunstdünger verzichtet wissen.

Nun gut, viele Menschen sind in Worten progressiver als im Handeln – abzulesen etwa am weiterhin hohen Konsum von Quälfleisch und Billiglebensmitteln. Dennoch, auch wenn man das von den Umfrageergebnissen abzieht, bleiben immer noch etliche Pfunde, mit denen man politisch wuchern kann.

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Blütenstaubwirtschaft

Seit einiger Zeit arbeite ich für den Schweizer Zeitpunkt, ein kleines, feines,meinungsstarkes und unabhängiges Blatt. Wer es abonnieren will, kann so viel bezahlen, wie er oder sie möchte – allein das macht es doch wirklich durch und durch sympathisch.

Die Printausgabe und die Website sind nicht identisch. Wer Genaueres wissen will, sollte den Zeitpunkt bestellen oder abonnieren, zum Beispiel im Schnupperabo. Eins meines Leib- und Magenstückchen steht aber auf der Website und beschäftigt sich mit der sogenannten Blütenstaubwirtschaft. Allein der Titel – ist er nicht schöööööön?

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Regenerative Agrikultur – die Lösung der Klimakrise liegt uns zu Füßen

Mein Beitrag zur Blogparade Für eine bessere Welt:

Bringt den Kohlenstoff zurück in die Erde!“ Das ist das Motto der sogenannten regenerativen Agrikultur. Dieser neue Begriff kommt aus den USA, in Europa ist er noch weitgehend unbekannt. Die Grundidee: Beim Aufbau humusreicher Böden kann Kohlenstoff langfristig unterirdisch gebunden werden, also dort, wo er in Form von Fossilenergien und Kohlendioxid in die Atmosphäre ging. Böden sind global gesehen der größte Speicher für CO2, größer noch als Ozeane und Wälder. Theoretisch könnten die weltweiten Agrarflächen jährlich mehr CO2-Emissionen unschädlich machen als weltweit ausgestoßen werden.

Darauf wies auch der Agrarwissenschaftler Timothy LaSalle vor kurzem bei einem Vortrag in Berlin hin. Der Direktor des renommierten Rodale Institutes in Pennsylvania, der nunmehr vor allem in Afrika forscht und arbeitet, hat das Konzept des regenerativen Landbaus maßgeblich mitgeprägt. Es gebe eine Methode für planetarisches „Geo-Engineering“, die billig und überall anwendbar sei, so LaSalle, das sei die Photosynthese. Sie bringe Kohlenstoff in die ausgelaugte Erde zurück, wo er eine zentrale Rolle für Humusbildung und Förderung des Bodenlebens einschließlich Mykorrhizapilzen und Bakterien spiele. Zudem könne man damit die Artenvielfalt erhöhen, gesunde Lebensmittel produzieren, Hunger bekämpfen und die Wasserhaltefähigkeit der Böden verbessern.

Regenerative Landwirtschaft sei mehr als „Bio“, führte er weiter aus. Pflugloser Anbau, Mulchen mit Zwischenfrüchten, Kompostwirtschaft, Misch- statt Monokulturen, all das gehört dazu. Und vor allem auch eine kluge Bewirtschaftung von Weidegründen, in die stickstoffbindende Leguminosen, Phacelea oder Sonnenblumen eingesät werden. Denn Gräser könnten mit ihrem gewaltigen unterirdischen Wurzelwerk gigantische Mengen Kohlenstoff bis zu vier Meter hinab in die Erde bringen.

Pioniere wie die Soil Carbon Cowboys probieren die neuen Methoden in den USA derzeit mit großem Erfolg aus und schwärmen in einem Film auf Vimeo, dass ihre Böden, Tiere und Pflanzen damit gesünder werden und sie selbst jede Menge Zeit und Geld sparen.

In einem White Paper führt Jack Wittrege die Potenziale der regenerativen Landwirtschaft in allgemeinverständlicher Form aus. Titel: Soil Carbon Restoration: Can Biology do the Job? Jeder und jede kann dabei mitmachen und eigenhändig Böden wiederaufbauen, unter anderem mit pflanzenkohlebehandelten Küchenabfällen und der Terra-Preta-Technik.

Ronnie Cummins vom US-Verband Organic Consumers Association schwärmte denn auch jüngst in einem Artikel für die Online-Zeitung Truthout von der „Regenerativen Revolution“, weil sie die Boden-, Nahrungs- und Gesundheitskrise gleichzeitig lösen könne. Wenn man das globale Ziel anstrebe, die Erderwärmung unter zwei Grad plus halten zu wollen, dann müsse man jährlich global mindestens 0,4 Prozent des atmosphärischen Kohlenstoffes in die Erde zurückbringen. Und das sei auf diesem Wege erreichbar, zumal man damit „Hunderte von Millionen ländlicher (und urbaner) Jobs“ schaffen könne.

Dafür sei es nötig, eine weltweite Koalition von Nahrungs-, Wald- und Klimabewegungen zusammenzubringen, eine „massive Graswurzelarmee von Erd-Regenerierenden: drei Milliarden Kleinbauern und Dorfbewohnerinnen, Rancher, Hirten, Waldbewohnerinnen, Stadtgärtner und indigene Gemeinden – assistiert von mehreren Milliarden bewussten Konsumenten und urbanen Aktivistinnen.“ Auch der Papst mit seiner Umwelt-Enzyklika „Laudato Si“ wird sich hier sicherlich gern einreihen.

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Deutsche Austerität in Griechenland: Nicht in unserem Namen

Oder: Machen Sie Urlaub in Griechenland, Frau Merkel!

Folgender Offener Brief an die Bundesregierung haben die Teilnehmenden der internationalen GEN+20-Konferenz geschrieben, das ist das Global Ecovillage Network, das über 10.000 Dörfer und Gemeinschaften aller Kontinente verbindet. In Deutschland besteht es aus einem wachsenden Netzwerk an Ökodörfern, Gemeinschaften und Transition Town mit Wissen und Expertise für die Regeneration zerstörter Landschaften, Gemeinschaftsaufbau auf allen Ebenen, soziales Unternehmertum, dezentrale Versorgung mit Energie, Wasser und Lebensmitteln, gesunde Wasserkreisläufe, regionale Wirtschaftskreisläufe. Der Brief gefällt mir so gut, dass ich ihn hier nochmals veröffentliche:

Sehr geehrte Frau Merkel, (…) wir möchten hiermit deutlich sagen:

– Sie handeln nicht in unserem Namen, wenn Sie von Hilfsmaßnahmen für Griechenland und Südeuropa sprechen, wo es doch um eine lukrative und hochverzinste Kreditvergabe geht, deren Last die Ärmsten der Armen tragen: die Rentner, die arbeitslosen Jugendlichen, die Kranken in den Krankenhäusern, die kaum noch versorgt werden können.

– Sie handeln nicht in unserem Namen, wenn Sie den Ländern Südeuropas ein Wirtschaftsmodell aufzwingen wollen, das sie abhängig von den reichen Ländern macht und ihre Solidarität und Würde, die Natur und die regionalen Wirtschaftskreisläufe zerstört.

– Sie handeln nicht in unserem Namen, wenn Sie die Rückzahlung der Nazi Zwangskredite und die Forderungen nach Reparationszahlungen Deutschlands an Griechenland für die Massaker des Zweiten Weltkriegs kategorisch ablehnen. Mit welchem Recht? Wissen Sie, wie grausam die Wehrmacht dort vorging?

– Sie handeln nicht in unserem Namen, wenn Sie einen Schuldenschnitt Griechenlands ablehnen. Haben Sie vergessen, dass Griechenland unter den Staaten war, die 1953 Deutschland großzügig 60% seiner Schulden erlassen haben und es trotz seiner großen Schuld großzügig in die Arme der Staatengemeinschaft aufnahmen? Ist es nicht an der Zeit, ähnlich solidarisch zu sein?

– Sie handeln nicht in unserem Namen, wenn Sie die Griechen für ihren Hilferuf und ihr demokratisches Nein gegenüber Ihrer Schuldenpolitik mit noch strengeren Bedingungen bestrafen.

Sie zerstören mit Ihrer Strenge und Unerbittlichkeit innerhalb der Europäischen Gemeinschaft nicht nur den guten Ruf, den wir als Deutsche in der Nachhaltigkeitsbewegung haben. Sie zerstören auch die europäischen Werte von Demokratie und gegenseitiger Hilfe.

Sie könnten aber sehr wohl in unserem Namen handeln.

– Setzen Sie sich für einen Schuldenschnitt mit den Ländern Südeuropas ein.

– Zeigen Sie Offenheit für die Bereitschaft der Deutschen, ihre finanzielle Schuld aus dem 2. Weltkrieg jetzt, wo Griechenland es, braucht, zu bereinigen und die menschliche Schuld wenigstens teilweise abzutragen. Mit einem Kniefall in Athen würden Sie wirklich in die Geschichte eingehen.

– Setzen Sie auf die Zukunft! Unterstützen Sie Modellprojekte, z.B. die entstehenden Ökodörfer in Griechenland, die als Ausbildungsorte Menschen zeigen, wie sie regionale Energie-, Wasser- und Lebensmittelautonomien aufbauen und eine nachhaltige Wirtschaft schaffen können unabhängig vom Euro werden können.

– Setzen Sie ein Zeichen: Machen Sie Urlaub in Griechenland.

 

 

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Neue Wörter braucht das Land

 Degrowth. Postwachstum. Transformation. Nachhaltigkeit. Share & Collaborative Economy. Open Source. Coworking Spaces. Transition Towns. Commons-basierte Peer-to-Peer-Produktion. Was empfinden Sie, wenn Sie diese Wörter lesen? Selbst auf mich, die ich ein Fan der damit verbundenen sozialen Bewegungen bin, wirken die Begriffe wenigsagend, insiderhaft, ausschließend. Dass diese Bewegungen bislang nicht aus der Nische herausgewachsen sind, liegt auch an den hölzernen Begriffen. Nein, nicht, weil das englische oder denglische Wörter sind. Ein bisschen Englisch können wir ja alle, und treffende Lehnwörter bürgern sich schnell ein. Sondern, weil sie zu abstrakt sind. Sie sind kaum emotional besetzt und können deshalb keine positiven inneren Bilder erzeugen. Wenn Neulinge sie hören, verspüren sie wahrscheinlich keinerlei Resonanz, keinen Nachhall, kein Wärmegefühl.

 Sprache erzeugt Wirklichkeit. Begriffe prägen das Bewusstsein. Stimmige Wörter lassen ganz neue Welten in uns entstehen. Neue soziale Bewegungen können nur dann wirkmächtig werden, wenn die Menschen sich über Schlüsselwörter und gemeinsame Losungen miteinander verbinden, in einem gemeinsamen Wärmestrom, wie Ernst Bloch sagen würde. Also ist es strategisch entscheidend, Wörter zu erfinden oder neu zu besetzen. Politiker und Medienleute erwähnen alte Begriffe so lange in den gewünschten negativen oder positiven Kontexten, bis sie eine andere Färbung angenommen haben. Neger oder Asylant waren ursprünglich neutral, heute sind sie extrem abwertend. Bei Schwulen verlief der Prozess umgekehrt: Ursprünglich ein diskriminierender Begriff, ist er durch beständigen Bezug auf Menschenrechte und Selbstbestimmungsrechte heute geradezu wohlklingend geworden.

 Wir können als Menschen nur deshalb sprechen, weil unser Kehlkopf entsprechend gebaut ist und unsere Organe einen Resonanzkörper für die Stimme bilden. Sprache wird also sprichwörtlich von uns verkörpert. Deshalb sollten gute Begriffe einen geringen Abstraktionsgrad und einen hohen Verkörperungsgrad haben. Sprache muss atmen, muss sprichwörtlich stimmig sein, sollte Starres und Flüssiges zusammenbringen.

 Das war auch der Tenor in einem höchst lebendigen und kreativen Workshop, den wir auf der Degrowth-Konferenz in Leipzig zum Thema „Neue Wörter braucht das Land“ abgehalten haben. Um das Ergebnis vorweg zu nehmen: Ein durchschlagendes Wort haben wir weder für Degrowth noch für Commons gefunden. Aber viele gute Ansätze und interessante Wortschöpfungen.

Im Englischen ist Degrowth ja durchaus stimmig, aber er lässt sich einfach nicht gut übersetzen. Postwachstum klingt viel zu sehr nach Brief- und Paketbergen im Postamt. Wachstumsrücknahme oder Schrumpfen empfinden zu viele Menschen als negativ, gar als Bedrohung. Die Comicfiguren der Schrümpfe, die die Oya-Redaktion nach Leipzig mitbrachte, sind witzig und sympathisch, doch dass weniger mehr sein kann, diese Erfahrung haben bisher zu wenige Menschen gemacht. Aber was dann? Mit die beste Übersetzung ist Entwachsen, denn darin steckt die positive Erfahrung, dass man als menschlich-biologischer Organismus irgendwann erwachsen und pubertärer Anwandlung entwachsen ist, zumindest mehr oder weniger.

Später las ich in einem Aufsatz von Josef Senft das schöne Wort Ausgewachsen. Ins Lateinische übersetzt könnte die Postwachstums-Epoche Adultum genannt werden. Senfts Begründung: „Von einem Erwachsenen (englisch: adult) erwartet man Zuwachs an Mündigkeit und Übernahme von Verantwortung für sich und andere.“ Dazu zitiert er Jakob von Uexküll, den Begründer des Weltzukunftrates und Alternativen Nobelpreises, der der Meinung ist, „dass die globale Konsumkultur einer gemeinschaftlichen Bürgerkultur weichen wird; nicht weil es jemand vorschreiben würde, sondern weil es dazu keine Alternative gibt außer Chaos, Kriege und den Zusammenbruch unserer Gesellschaften.“ Gefällt mir sehr! Und solange sich die Epoche des Adultum noch nicht verwirklicht hat, könnten wir Degrowth in Ausgewachsenheit oder ausgewachsene Wirtschaft übersetzen.

Commons ist ein weiteres sperriges Wort. Im Deutschen wird es mit Allmende oder Gemeingüter übersetzt, aber die Commons-Vordenkerin Silke Helfrich war damit nicht nur in unserer Leipziger Wörterbastelwerkstatt unzufrieden: Allmende erinnert zu sehr an die mittelalterliche Gemeindewiese, und das Wort Gut suggeriert ein statisches materielles Ding. Dabei gibt es doch unzählige immaterielle Commons, angefangen von der Sprache selbst über Landschaft und Luft, Wissen und Kultur bis zur freien Software von heute. Zudem ist das Allerwichtigste an den Commons das Commoning, die Verständigung unter allen Beteiligten, wie eine gemeinsame Ressource zu nutzen und gleichzeitig zu schützen sei. Hmh. Sind Gemeinwertwachstum, Gemeintum und Wir-schafft bessere Begriffe für die Commons? Und was könnte das passende Verb für Commoning sein? Gemeinschaffen? Klingt zu sehr nach gemein, fanden manche. Dann besser vergemeinschaffen oder vergemeinschaften. Oder gemeintun. Oder vergemeinen. Oder auch pflegnutzen. Begriffe, die etwas zum Klingen bringen, oder?

Wenn ein Wort sehr vielen gefällt, dann ist – um eine weitere wunderschöne Wortschöpfung aus Leipzig zu erwähnen – Gemeinstimmigkeit erreicht. Gemeinstimmig – man hört förmlich die Resonanz in vielen Körpern. Gemeinstimmig ist nicht einstimmig, aber mehr als vielstimmig. Es ist eine geheimnisvoll zustande kommende Übereinkunft vieler Stimmen, ohne dass eine förmliche Abstimmung stattgefunden hat oder stattfinden müsste.

Nachhaltigkeit hingegen ist ein echtes Problemwort. Konzerne und Lobbyisten haben es so nachhaltig grüngewaschen und totgetrocknet, dass es nach nichts mehr klingt. Zumal es im usprünglichen Sinne auch nicht mehr bedeutet als „andauernd“. Nicht zufällig definiert Monsanto auf seiner deutschen Website Nachhaltigkeit kühndreist um in „mehr produzieren“ und satte Profite machen. Man könnte noch hinzufügen: die Umwelt nachhaltig schäden.

Was also könnte das Wort ersetzen? Manche sagen dafür Enkeltauglichkeit, aber gerade mal zwei kommende Generationen einzubeziehen ist auch eher mickrig; indigene Völker wie die Kogi rechnen in Zeitspannen von mindestens zehn Generationen, wenn sie Zukunft planen. Andere ersetzen den Begriff augenzwinkernd durch Nochhältigkeit – noch hält unser Planet. Mir persönlich gefällt Nachhalligkeit sehr gut – hier ist wieder die Resonanz drin, der Nachhall. Nachwüchsigkeit, ein Wort, das mir neulich im Wald einfiel, ist vielleicht noch eindeutiger, nämlich bildhaft dafür, dass alles, was man verbraucht, wieder nachwachsen muss.

Manche möchten inzwischen ganz auf das Wort nachhaltig verzichten und finden regenerativ schöner und ausdruckskräftiger – so auch das Internationale Netzwerk der Ökodörfer (GEN). Wir hatten im Vorfeld von Leipzig darüber eine längere Diskussion. Die Natur bewirkt ja viel mehr als Regeneration, lautete ein Einwand, sie entfaltet sich in immer neuen Arten und immer größerer Komplexität, das ist keine einfache Reneration, sondern eine Entwicklungsspirale nach oben. Könnte man nicht Spiralität sagen? Erinnert zu sehr an Spiritualität, befanden andere. Oder an Spirelli-Nudeln. Wir wurden uns nicht recht einig.

Fortschritt und Entwicklung, da aber waren wir uns in Leipzig einig, sind ebenfalls Problemkandidaten. Erstens, weil Millionen von Menschen und nichtmenschliche Lebewesen im Namen des Fortschritts getötet worden sind und immer noch geopfert werden. Zweitens, weil es ein eurozentristischer Begriff ist, der eine lineare Entwicklung der Menschheitsgeschichte hin zum Besseren behauptet und angeblichen Entwicklungsländern die westliche monetarisierte Wirtschaft als einzig mögliche aufimperialisiert. Was könnte diese Begriffe ersetzen? In der indigenen Denktradition Lateinamerikas ist es das Gute Leben (Buen Vivir), uns gefiel aber auch Entfalterung, Wendelwandel und Wohlseinswachstum.

Und wie können wir die neu entstehende Ökonomie nennen, die nachhaltig ökosozial gewendet ist, nichtmonetäre Pflegearbeit einbezieht und auf Glücks- statt Wachstumsvermehrung setzt? Auch darüber haben wir in der Wortwerkstatt der Degrowth lange gegrübelt, haben Wörter auseinandergeschnippelt und neu zusammengeklebt. Hier einige Vorschläge aus Leipzig und anderswoher: notwendende Wirtschaft (weil sie Not wendet), Ecommony (so Friederike Habermann in Anlehnung an die Commons), Glücksökonomie, Bedarfsökonomie, Ökosozialwirtschaft, Balancewirtschaft, Genugwirtschaft, WELTwirtschaft, Erdwirtschaft, Lebenswirtschaft, Wir-Schaft, Oikonomie. Letztere in Anlehnung an das griechische Wort „oikos“ für Haus; Oikonomia meinte ursprünglich Hauswirtschaft oder Haushaltslenkung ohne jeden monetären Hintergrund.

Für diesen Prozess der Transformation oder Entgelderung sind natürlich auch Ziele notwendig. Oder notwendelig, um auf „Degrowthisch“ zu sprechen. Was gehört dazu? In Leipzig befanden wir: Das gute Leben natürlich, das gelinglichen sollte. Vielfalt und Füllfalt. Die Entfalterung unser aller Potenziale. Die Umdefinition von Wertigkeit in Werdigkeit. Die Anerkennung des menschlichen Giebtriebs, der nicht ausgegeizt werden dürfe.Und das Zusammenwachsen aller sozialer Bewegungen zur Allwende.

Welche Bewegungen sind das? Die Transition Towns könnten wir Wandelstädte oder Wendelgemeinden nennen. Die Bewegungen, die Soft- und Hardware Open Source ins Internet stellen, schaffen Offene Quellen – man hört es doch gleich erfrischend plätschern und sprudeln. Die Share & Collaborative Economy hingegen ist nicht so einfach zu übersetzen, weil das deutsche Wort „teilen“ auch „zerteilen“ und „trennen“ beinhaltet und „Kollaboration“ den historischen Beigeschmack der Zusammenarbeit mit den Nazis beinhaltet. Ökonomie des Teilens und Zusammenarbeitens? Hm, ziemlich sperrig.Ich plädiere hier für einen abkürzenden Begriff, etwa Ko-Ökonomie, in Anlehnung an die Ko-Evolution in neueren Evolutionstheorien oder die Ko-Kreation in Partizipationsmodellen.

Was haben wir noch? Coworking Spaces könnten Zusammenarbeitsplätze genannt werden. Die Ko-Ökonomie von Peer to Peer (abgekürzt: P2P) ist eine unter Gleichen (abgekürzt: =) oder auch eine Zell=kultur. Und die Commons-basierte Peer-to-Peer-Produktion, die der Commons-Vordenker Michel Bauwens statt des Kapitalismus am Ende des Weges leuchten sieht? Warum kann sie nicht Commonie heißen, wie es Johannes Heimrath schon länger vorschlägt? Oder, wie ich es auch schon gelesen habe, Peercommony? Oder Co-Commonisierung?

Wie dem auch sei – was gefällt euch Lesenden denn am besten? Was erzeugt in euch Resonanz, gute Klänge und schöne Bilder? Um Antwort wird gebeten…

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Schweigestreik am 10. Dezember

Der elf(!!)jährige Klimaaktivist Itzcuauhtli Roske-Martinez aus dem Bundesstaat Colorado ist laut der US-Onlinezeitung „truthout“  in einen „Schweigestreik“ getreten. Er will solange nicht mehr reden, bis die Regierenden dieser Welt einen ernsthaften „Klima-Erholungs-Plan“ verabschieden, den Planeten wiederaufforsten und Erneuerbare Energien fördern würden. Seine Begründung: „Wozu soll ich in die Schule gehen und ein Haufen Zeugs lernen, wenn es keine Welt mehr gibt, in der es wert ist zu leben?“

Ein Werbetrick überehrgeiziger Eltern? Sieht nicht danach aus. Sein Bruder Xiuhtezcatl, der den Artikel schrieb, ist auch erst 14, tritt aber auf Umweltkonferenzen auf, seit er 6 ist. „Wir wurden in der aztekischen Tradition erzogen“, schreibt er, und: „wir sind Öko-Hip-Hop-Performer und Jugenddirektoren einer internationalen Organisation namens Earth Guardians.“

Bevor er aufhörte zu reden, rief Itzcuauhtli in einem zweiminütigen Video zum weltweiten Schweigestreik am 10. Dezember auf. Man möge an diesem Tag bitte ein grünes Armband tragen und ein Foto an sie schicken. Die Jungs zählen jetzt schon hunderttausende Klicks auf ihrer Website.

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Zurück aus der Zukunft

In letzter Zeit durfte ich gleich mehrmals die Erfahrung machen, wie es ist, zurück aus der Zukunft zu blicken. Bereits im April lud uns der US-Kulturphilosoph Charles Eisenstein im Rahmen einer Veranstaltung im Berliner Supermarkt zu einer kollektiven Reise in die Zukunft des Jahres 2025 ein: Jeweils zwei Personen aus dem Publikum sollten sich gegenseitig interviewen, was sie dort erlebt hatten, anschließend erzählten einige auf der Bühne ihre „Erfahrungen“. Erstaunlich war, dass – ganz anders als bei allen politischen Veranstaltungen – fast nur Frauen redeten. Ebenso erstaunlich war, dass sie fast alle von einer besseren Zukunft erzählten. Oder besser gesagt: von Möglichkeitsräumen, die sich geöffnet hatten. Der Saal vibrierte vor positiver Energie. Eine Illusion oder ein Vorgeschmack, was möglich wäre, wenn wir alle unsere Potenziale voll ausschöpfen könnten?

Wir haben das auf der Leipziger Degrowth wiederholt. Hier waren die Erzählungen aus dem Publikum mehr technobestimmt, mehr Peterchens Mondfahrt, aber auch ziemlich positiv. Zudem war ich vor kurzem Gast bei einer Podiumsdiskussion aus dem Jahre 2025 in der Luckenwalder Hutfabrik. Hierbei konnten sich das Podium nicht so recht einigen, ob die Zukunft besser geworden war oder nicht. Dennoch war auch hierbei spürbar, wie stark solch ein Format die kollektive Fantasie anregt und wie sehr wir Visionen brauchen.

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Trotzdem! Hoffnung! machen!

Anlässlich des 100. Geburtstages meines journalistischen Vorbildes Robert Jungk wurde ich gebeten, einen Beitrag für ein Buch über den Träger des Alternativen Nobelpreises zu schreiben. Das tat ich gerne, weil er mir beigebracht hat, „ermutigenden Journalismus“ zu betreiben. In diesem Sinne habe ich auch gegenüber dem Journalistenportal Newsroom argumentiert, als es mich zu einer der „500 einflussreichsten Medienfrauen“ Deutschlands nominiert hat. Eine der angeblich einflussreichsten – denn schön wäre es, wenn ermutigender Journalismus weiterverbreitet wäre. Ist er aber nicht. Hier einige Sätze aus meinem Text über Robert Jungk:

In den Anfangszeiten der taz, Ende der 1970er bis Anfang der 1980er Jahre, hatte ich immer wieder mit Robert Jungk zu tun. Wir sollten die Berichterstattung über gelungene Projekte und positive Alternativen nicht vergessen, riet er uns in seiner unvergesslich freundlichen und zugewandten Art.  Als junge taz-Ökoredakteurin nahm ich mir seinen Rat zu Herzen und versuchte, Berichte über geglückte Alternativen ins Blatt zu heben. Aber es gab Vorbehalte, denn Medien arbeiten nach der Logik „only bad news are good news“. Konservative Zeitungen haben kein Interesse an der Verbreitung positiver Alternativen, linke und alternative Redaktionen fühlen sich der Kritik der Verhältnisse verpflichtet.

Mehr als zwanzig Jahre lang habe ich in der taz Misstände zu geißeln versucht und damit zwangsläufig vorwiegend schlechte Nachrichten formuliert. Ich merkte immer mehr, dass diese sich wie schwarzer Feinstaub auf meiner Seele absetzten, dass sich meine seelische Energie verdüsterte. Was ist mit journalistischer Aufklärung gewonnen, wenn sie das Gegenteil bewirkt? Bestärken wir mit einer Übermacht schlechter Nachrichten nicht genau jene Ohnmachtshaltung, die wir doch überwinden wollen? Stärken wir damit nicht die Falschen, die gegenwärtigen Machthaber?

Zum Glück ist einigen Redaktionen ist das alte Spiel „only bad news are good news“ zu blöde geworden. In den USA entstanden Initiativen des „lösungsorientierte Journalismus“; in Großbritannien, Spanien, Argentinien und anderen Ländern wurden Websites mit „positive news“ gegründet; in Österreich formierte sich die „Mutmacherei“; in Deutschland finden sich in „enorm“ oder „brandeins“ Geschichten über engagierte Sozialunternehmen; in „Futurzwei“, dem Schweizer „Zeitpunkt“ und auf den taz-“Fortschrittsseiten“ schreibe ich selbst Geschichten des Gelingens. Trotzdem – so lautet der Titel von Jungks Autobiografie. Und „trotzdem“ könnte auch das Motto sein für alle, die ermutigenden Journalismus in seiner Tradition fortführen wollen.

 

 

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Factory mit weiblichem Faktor

Die neue Ausgabe der Zeitschrift Factory des Wuppertal Instituts widmet sich dankenswerterweise dem Zusammenhang zwischen geschlechtergerechtem und ökosozialem Wirtschaften. Als Mitautorin möchte ich Ihnen und Euch die Ausgabe ans Herz legen, hier ist sie herunterladbar.

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Good News: Wie Männer und Frauen Gewalt beenden und die Umwelt retten

Nun gibt es mein Buch „Gute Nachrichten“ in aktualisierter Version auch auf Englisch: „Good News – How Women and Men Stop Violence and Save the Planet“, herausgegeben von der Heinrich-Böll-Stiftung und mir. Es enthält 36 Geschichten aus aller Welt von meiner Website „Visionews“. Diese Beispiele mutiger Frauen und Männer eignen sich sehr gut für Friedens- und Bildungsprojekte im Rahmen internationaler Zusammenarbeit.

Das gedruckte Buch können Sie gratis auf der Website der Heinrich-Böll-Stiftung bestellen. Die elektronische Version können Sie auf Visionews als PDF-Datei herunterladen.

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Das dichteste Genossenschaftsnetz der Welt

Mein nächstes Buch, das ich derzeit zusammen mit Annette Jensen schreibe, trägt den Arbeitstitel „Glücksökonomie“. Es geht um jene Formen des Wirtschaftens, die Menschen weltweit glücklich machen, weil sie das Gemeinwohl und den Geist der Kooperation fördern. Manche Formen sind schon ziemlich alt, wie die Genossenschaften, andere wie die Share Economy sind erst durch das Internet möglich geworden.

Im September habe ich das Angenehme mit dem Nützlichen verbunden und mich mit meiner Familie in Corte d´Aibo einquartiert, einer wunderschön gelegenen Bio-Winzer-Kooperative nahe Bologna mit einer exquisiten Küche, um über das italienische Genossenschaftswesen zu recherchieren. Von dort aus haben wir die Emilia Bologna erkundet, in der sich im Laufe vieler Jahrzehnte das dichteste Kooperativennetz der Welt gewebt hat.

Natürlich, vor allem große Genossenschaften wirtschaften heute kaum anders als ganz normale kapitalistische Betriebe. Das liegt vor allem an der neuen Generation der Manager, die nix anderes gelernt haben als Profitmachen. Daneben aber gibt es unzählige Kooperativen, die das Gemeinwohl ihrer Mitglieder und der Gesellschaft im Auge haben.

Wir waren sehr beeindruckt von dieser Kultur der Kooperation, die die ganze Emilia Romagna durchzieht. Immer noch werden hier stolze 40 Prozent des regionalen Bruttosozialprodukts genossenschaftlich erwirtschaftet und sogar 85 Prozent der sozialen Dienstleistungen. Das Pro-Kopf-Einkommen in der Emilia Romagna liegt um etwa ein Drittel über dem nationalen Durchschnitt, die Erwerbslosigkeit ist um die Hälfte geringer. Im Krisenland Italien macht das einen spürbaren Unterschied aus.

 

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Ärger um Blue Economy in Deutschland

Weltweit scheint die Blue Economy wunderbar zu gedeihen (siehe Text im Blog weiter unten), doch mit dem deutschen Zweig gibt es einen Haufen Ärger. Ich habe darüber in der taz vom 15.6. berichtet, hier ein Auszug:

Chido Govera, Aidswaisin aus Simbabwe und Meisterin der Pilzzucht, teilt ihr Wissen „Open Source“ mit allen Interessierten. Nachteil: Das macht sie schutzlos gegenüber ökonomischem Missbrauch. Der gesamte Weltkongress der Blue Economy in Madrid distanzierte sich in einer förmlichen Erklärung vom deutschen Zweig der „Blue Economy“, weil er das Wissen von Chido und anderen „durch Lizenzen und Zertifizierungen“ kommerziell ausbeute.

In einem Offenen Brief fordert Chido Govera die Berliner Firma „Chidos Mushrooms“ eindringlich auf, ihren Namen aus dem Firmennamen zu streichen. Anders als auf der Berliner Website behauptet, hätten ihre Hilfsprojekte für afrikanische Aidswaisen niemals von den Gewinnen profitiert. Sie fühle sich einmal mehr in ihrem Leben missbraucht. Ein Mitarbeiter bestätigte in einem Antwortbrief nach Simbabwe alle Vorwürfe und kündigte seinen Rückzug aus der Firma an. Anne-Kathrin Kuhlemann, Mitgesellschafterin von „Chidos“, drohte rechtliche Schritte gegen alle an, die „Verleumdungen“ verbreiten – also auch gegen Chido Govera und die taz. Im Übrigen verzichtete sie darauf, „im Detail auf die Inhalte einzugehen, da wir der Meinung sind, dass eine öffentlich ausgetragene Kommunikationsschlacht nicht im Sinne der Beteiligten sein kann.“

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Blue Economy in Madrid und El Hierro

Ende April war ich mit einer Delegation der 1000 FriedensFrauen Weltweit zum 8. Blue Economy Summit in Madrid eingeladen. Auf dem weltweiten Treffen von über 100 Wissenschaftlern und Aktivistinnen präsentierten wir Projekte von Friedensfrauen aus Mexiko, Kolumbien, China und Deutschland zur nachhaltigen Lebensweise und Ernährungssouveränität. Und lauschten fasziniert den anderen Präsentationen. So viele charismatische Redner_innen habe ich persönlich noch nie auf einem Kongress erlebt. Die von dem belgischen Ökonomieprofessor Gunter Pauli initiierte Bewegung der Blauen Ökonomie will ökologische Produkte durch intelligente Kaskadennutzungen von „Abfällen“ auch für Arme erschwinglich machen. „Blau“ deshalb, weil auch der Himmel, das Wasser und der Planet blau ist.

Anschließend reisten wir mit einer kleinen Kongressdelegation nach El Hierro. Die kleinste der kanarischen Inseln ist nicht nur die schönste, sondern auch ein beeindruckendes Modell für Zukunftsfähigkeit. Das Pumpspeicherkraftwerk wird die knapp 11.000 Einwohner mit 100 Prozent erneuerbaren Energien und Wasser versorgen. Der Verkehr soll bis 2020 ebenfalls ausschließlich mit erneuerbaren Energien laufen, die Landwirtschaft soll sukzessive auf Bio umgestellt werden. Mit 60 Fischerfamilien wurde ein Modellprojekt zur nachhaltigen Fischerei ausgehandelt. Soziale Aspekte werden ebenfalls nicht vergessen: Die Einwohner_innen können und sollen mitreden. Ein jährliches „Bimbache“-Musikfestival, benannt nach den gleichnamigen Ureinwohnern El Hierros, verbindet bewusst die unterschiedlichen Kulturen der Kontinente  und trägt zur Integration der zahlreichen Migrant_innen bei.

Weitere Informationen auf www.visionews.net

 

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Gartenbuchpreis 2013: Sonderpreis der Jury für unser Terra-Preta-Buch

Unser Buch „Terra Preta – die schwarze Revolution aus dem Regenwald“ hat den „Sonderpreis der Jury“ beim deutschen Gartenbuchpreis 2013 gewonnen.
http://www.dennenlohe.de/de/gartenbuchpreis-2013

Begründung der Jury: Terra Preta – die aus Südamerika stammende, sagenhafte fruchtbare „schwarze Erde“ – zieht seit einiger Zeit das Interesse zahlreicher gärtnernder Laien und Fachleute auf sich. Mit dem Band wird nun das erste umfangreichere Buch in deutscher Sprache zu diesem Thema vorgelegt. Dabei beleuchtet das Werk die Möglichkeiten und Grenzen dieses Pflanzsubstrates im Gartenbau. Es behandelt ökologische Aspekte und enthält sowohl konkrete Gebrauchsanweisungen – auch zur Eigenherstellung von Terra Preta – als auch Kurzbeschreibungen von Terra  Preta-Projekten aus aller Welt. Bemerkenswert ist, dass sich gleich drei kompetente Autoren zur Erstellung des Buches zusammengefunden haben.

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Beschissatlas gehört zu „Top Ten Zukunftsliteratur“

Anfang 2013 hat das Team der Robert-Jungk-Bibliothek unseren „Beschissatlas“ in die „Top Ten Zukunftsliteratur“ gewählt. Begründung: Das Buch biete „brisante Fakten“, sei „exzellent recherchiert“ und „ansprechend illustriert“. Das ist bereits die zweite Auszeichnung des von mir geschriebenen und von Yvonne Kuschel illustrierten Buches, das im März 2012 im Ludwig-Verlag (Randomhouse) erschien.

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Don´t like Facebook

Ein gutes neues Jahr allen Lesenden!

Und falls Sie es verwundern sollte, dass auf dieser Website keine Social Media auftauchen, keine Facebook-Däumlinge, kein Twitter-Gewitter, kein RSS, nicht mal eine Kommentar-Funktion: Ich mag dieses Zeugs nicht. Ich will nicht von fremden Daumen gelikt oder ungelikt werden. Ich finde diese virtuellen Rankings schrecklich, die mit höchst fragwürdigen Methoden rein quantitativ über Websites und den Wert von Menschen entscheiden.

In unserem System wird langsam jede Lebensregung berechnet, kalkuliert, bewertet. Ranking-Agenturen senken den Daumen über ganze Länder. Meine innere soziale Rankingagentur hat deshalb Facebook auf Ramschniveau gesetzt – DDD-, schlimmer als Griechenland und Mali zusammen.

Übrigens, wussten Sie schon, dass  die Facebook-Nutzung unglücklich macht? Hat jetzt eine Studie rausgefunden. Über ein Drittel der User fühlt sich während und nach der Nutzung schlecht: einsam, traurig, frustriert. Weil die Leute ihre Kolleginnen und Freunde beneiden, die – oftmals reichlich verlogene – positive Nachrichten über sich selbst auf Facebook rausposaunen.

Viel Spaß damit, aber ohne mich.

 

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Endlich!

Bundeskabinett verabschiedete Nationalen Aktionsplan zur Umsetzung von UN-Resolution 1325.  

Nach mehrjähriger schwieriger und komplikationsreicher Schwangerschaft hat die Bundesregierung nun bei ihrer Kabinettssitzung vom 19.Dezember 2012 endlich einen Nationalen Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Resolution 1325 („Frauen, Frieden, Sicherheit“)* auf die Welt gebracht. Der Aktionsplan ist zwar in vielem noch unzureichend und kritikwürdig, aber ein Anfang ist gemacht. Wir freuen uns. Hier die Ankündigung des Auswärtigen Amtes.

Die Geburtshelferinnen vom Bündnis 1325: amnesty international, Deutscher Frauenrat, Deutscher Frauenring, Deutscher Frauensicherheitsrat, Deutscher Staatsbürgerinnen-Verband, Frauennetzwerk für Frieden, Heinrich-Böll-Stiftung, Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit, medica mondiale, Pax Christi, Rosa-Luxemburg-Stiftung, terre des femmes.

Am 22.November hat eine Interministerielle Arbeitsgruppe der Bundesregierung die zivilgesellschaftlichen Gruppen des Bündnis 1325 zu einer Anhörung in der Bundesakademie für Sicherheitspolitik eingeladen; es war ein fruchtbares Treffen in guter Arbeitsatmosphäre, die Regierungsvertreter nahmen etliche Anregungen und Kritikpunkte von uns auf. Und am 10. Dezember lud der Unterausschuss Zivile Konfliktprävention des Bundestages Monika Hauser und mich zu einer Anhörung zum selben Thema. Hier der Bericht einer Bundestags-Mitarbeiterin.

Und zum Herunterladen hier der Vortrag „Warum häusliche Gewalt den Weltfrieden gefährdet“, den ich am 1.12. bei einer von medica mondiale ausgerichteten Konferenz zur Situation der afghanischen Frauen in der Evangelischen Akademie Rheinland hielt.

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Helmut Schmidt wittert weltweite Revolution

Das Vertrauen in die europäischen Institutionen nehme in ganz Europa ab, hat der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt in einem Interview gewarnt. Zugleich stecke China in einer tiefen innenpolitischen Krise, in den USA sei diese nach der Wahl nur scheinbar gelöst. „Ich spüre die Möglichkeit von revolutionären Veränderungen auf der Welt“, so Schmidt. 

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Futurzwei Zukunftsalmanach

Schon wieder ein Buch. Ein dickes. Es wurde von Harald Welzer und Stephan Rammler herausgegeben und enthält zahlreiche Geschichten über ökosoziale Pioniere, darunter auch diejenigen, die ich für Futurzwei geschrieben habe. Aber das Buch ist mehr als eine Geschichtensammlung, es widmet sich dem Schwerpunkt Mobilität. Wie könnten neue nachhaltige Mobilitätssysteme aussehen? Müssen wir angesichts von Peak Oil und Peak Everything Verkehr nicht ganz neu denken, weg von den individuellen Blechdosen, in denen wir uns Tag für Tag verkriechen? Lasst euch anregen von der Lektüre.

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„Gute Nachrichten!“ nun auch als Buch

Am 8.Oktober 2012 erschien mein Buch “Gute Nachrichten! Wie Frauen und Männer weltweit Kriege beenden und die Umwelt retten”, herausgegeben von der Heinrich-Böll-Stiftung und mir. Darin werden 33 Erfolgsprojekte und Geschichten des Gelingens im Bereich Frieden, Umwelt und Geschlechtergerechtigkeit veröffentlicht, allesamt von meiner Website Visionews. Das Buch ist ab 8.Oktober im Buchhandel und bei der Böll-Stiftung erhältlich (buchversandatboelldotde)

Am Montag den 15. Oktober stellten wir das Buch im Rahmen einer Podiumsdiskussion in der Heinrich-Böll-Stiftung  vor. Hier ein Veranstaltungsbericht.

 

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Superreiche Superkriminelle verstecken Billionen Dollar in Steueroasen

Die winzige Schicht der Superrreichen dieser Erde hat zwischen 21 und 32 Billionen Dollar in Steueroasen versteckt, schätzt das Tax Justice Network mit Sitz in London. Eine unvorstellbare Summe, mit der weltweit alle mit Geld lösbaren Probleme schlagartig gelöst werden könnten. Damit könnten Hunger, Unterernährung, Armut, Obdachlosigkeit und viele Krankheiten gestoppt, die Klima- und Energiewende sowie globale Bildungs- und  Gesundheitsprogramme finanziert sowie sämtliche Staatsschulden bezahlt werden. Auch die Eurokrise wäre Vergangenheit.

Dass dies nicht geschieht, sondern die Superreichen weiterhin „legal illegal“ ihre Gelder vor Besteuerung schützen dürfen, ist DER Skandal des 21.Jahrhunderts. Als Superreicher gilt, wer über ein Vermögen von mehr als 50 Millionen Dollar oder 41 Millionen Euro verfügt. Das sind ein Prozent der Weltbevölkerung.

Die allerreichsten 92.000 Personen der Erde haben zusammen mehr als 9 Billionen Dollar vor dem Fiskus versteckt. Dazu gehören vor allem die Milliardäre aus westlichen Industrieländern, aber auch aus afrikanischen, asiatischen und lateinamerikanischen Staaten. Das Tax Justice Network schätzt, dass fast 1,2 Billionen Dollar aus China und fast 800 Milliarden aus Russland abgezogen wurden sowie 306 Milliarden Dollar aus Nigeria und 141 Milliarden aus der Elfenbeinküste.

Nach dieser Studie des Tax Justice Network, die von dem früheren McKinsey-Ökonom James Henry geschrieben wurde, besitzen die oberen 10 Prozent der Weltbevölkerung 84 Prozent der Vermögen und die untere Hälte 1 Prozent. Der weitaus reichste Teil der Superreichen lebt in den USA, danach folgen China und Deutschland.

In unserem „Beschissatlas“ taucht noch eine ältere Schätzung des Tax Justice Network auf, die sich auf rund 13 Billionen belief. Das zeigt, wie schnell sich die Superreichsten auch und gerade in der Krise noch mehr bereichern.

 

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Terra Preta Artikel

Weil in letzter Zeit etliche Leute danach gefragt haben, hier eine Liste meiner Artikel über Terra-Preta-Projekte im In- und Ausland:

http://taz.de/!61534/

http://www.publik-forum.de/archiv/schwarzes-gold-im-botanischen-garten-berlin

http://www.visionews.net/de/zivilcourage-auf-bayrisch-und-mexikanisch/

http://www.ithaka-journal.net/druckversionen/112011-waldgaerten.pdf

http://www.delinat-institut.org/ua2010-07-themen-scheub.pdf

http://www.ithaka-journal.net/baume-als-regenmacher-in-der-wuste-terra-preta-in-kolumbien

http://www.futurzwei.org/#63-mythopia

http://www.futurzwei.org/#105-zivil-courage

http://www.futurzwei.org/#210-transition-towns

http://www.futurzwei.org/#236-toiletten-hamburg

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Beschissen schön!

Der „Beschissatlas“ darf seit heute das Prädikat „Die schönsten deutschen Bücher“ tragen. Eine Jury der Stiftung Buchkunst zeichnete das von Yvonne Kuschel illustrierte Werk als eines der „25 schönsten Bücher des Jahres 2012“ aus. “ Die Begründung der Jury finden Sie hier.

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Alternativer Medienpreis für Visionews

Frühlingsfreude: Die Nürnberger Medienakademie hat mir am 4. Mai für unsere Website Visionews den Alternativen Medienpreis verliehen. Genauer gesagt: den 1. Preis in der Sparte Internet. Neben dem Preisgeld, das dem Ausbau von Visionews dienen wird, gab es eine Urkunde und ein Handbuch „Online-Journalismus“. Prima! Online-Journalismus kann ich nämlich überhaupt nicht. Oder sieht hier jemand Facebook- oder Twittersymbole?

Die anderen Preisträger finden Sie  hier. Und ein Bericht der an Visionews beteiligten Nachrichtenagentur Inter Press Service hier zum Download:

GoodnewsIPS

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Zivilcourage auf bayrisch und mexikanisch

Vor kurzem durfte ich in Mexiko an einer Begegnung der besonderen Art teilnehmen: Bayrische und mexikanische Bauern und Gärtnerinnen, die gegen Gentechnik und für eine nachhaltige Landwirtschaft kämpfen, tauschten ihre Erfahrungen aus. Die Reise hatte Nuria Costa organisiert, lateinamerikanische „Livelihood“-Koordinatorin der 1000 FriedensFrauen Weltweit. Hier mein Bericht zum Herunterladen: Zivilcourage

 

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FDP: Frauenfeindlichste deutsche Partei

Die FDP – ausgeschrieben Frauenfeindlichste Deutsche Partei  – killt nicht nur jede Frauenquote wie Unkraut, wo immer sie auch nur zart ihr Köpflein aus dem Boden erhebt, nun hat sie auch noch eine Transfer-Gesellschaft für die 11.000 vorwiegend weiblichen Schlecker-Beschäftigten verhindert. Teilzeitarbeitende Frauen – pah, sowas von uninteressant für diese Knödelköpfe. Wenn unser Beschissatlas nicht schon erschienen wäre, würden wir dieses Beispiel sofort darin aufnehmen.

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Beschissatlas erschienen

Yvonne Kuschel und ich haben nun unseren „Beschissatlas“ auf der Leipziger Buchmesse vorgestellt. Ein besonders nettes Interview machte MDR-Journalist Karsten Möbius, mal sehen, ob ich es schaffe, das Ding hier hochzuladen…

Beschiss-Atlas

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Geschichten des Gelingens

Futurzwei, die Stiftung Zukunftsfähigkeit, ist am 1.Februar online gegangen, mit bisher insgesamt 71 Geschichten des Gelingens über ökosoziale  Pioniere und Meisterinnen der Selbstermutigung sowie weiteren  Rubriken. Zusammen mit Annette Jensen hab ich viele Stories schreiben dürfen, und auch einige „Nachrichten aus der Wirklichkeit“ (von 2032). Werft mal ein Blick drauf, es lohnt sich, auch wenn man sich auf den ersten Blick vielleicht nicht gleich zurechtfindet. Das ist Absicht. Vielleicht noch ein Tipp: Das Symbol der  Hand hilft euch weiter.

www.futurzwei.org

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Hinweis in eigener Sache

Die Plakatausstellung „Ohne Frauen keine Frieden“, im Auftrag der 1000 FriedensFrauen Weltweit von mir maßgeblich miterstellt, wurde zu meiner großen Freude während der Friedensnobelpreisverleihung in Oslo gezeigt. Neben der englischen Fassung gibt es inzwischen eine in Deutsch, Französisch, Spanisch und Arabisch. Hier der Titel der deutschsprachigen Fassung, die wir Frauen- und Friedensorganisationen gratis zur Verfügung stellen. Wenn Sie Interesse haben, die flexibel und kreativ einsetzbare Ausstellung zu zeigen, wenden Sie sich bitte an die 1000 Friedensfrauen in Bern, info(at)1000peacewomen.org.

TitelDeutsch

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Freude!!!

Der Friedensnobelpreis geht dieses Jahr gleich an drei Frauen, die es verdient haben! Welche Freude! Und noch mehr Freude, dass in der Begründung der Jury endlich auch UN-Resolution 1325 erwähnt wird: Ohne Frauen keinen Frieden. Und auch ein klein bisschen heimliche Genugtuung: Ohne unsere Initiative „1000 Frauen für den Friedensnobelpreis 2005“, heute „FriedensFrauen Weltweit“, wäre das wohl nicht passiert. Immer wieder haben wir darauf hingewiesen, dass es vor allem die Graswurzelfrauen sind, die sich aktiv für Frieden engagieren. Und dass Frieden ein kollektives Produkt ist und nicht von einzelnen Staatsmännern „gemacht“ werden kann.
Leymah Gbowee aus Liberia und Tawakkul Karman aus dem Jemen sind herausragende Beispiele dafür. Die Aktivitäten von ihnen und ihren Mitstreiterinnen werden auch auf unserer Website „Visionews“ gewürdigt.

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Wiederaneignung!

Politiker, eingeklemmt zwischen Krisen, Katastrophen und Kurznachrichten, können kaum mehr regieren. Doch global zeigen sich Anfänge einer neuen Wiederaneignung von Politik, Demokratie und Leben.

Apokalyptischer Schreck in der Morgenstunde. Alle Umweltpolitik hat nichts genützt, der Ausstoß an klimaschädlichen Treibhausgasen hat 2010 mit weltweit über 30 Gigatonnen ein neues Rekordhoch erreicht, vermeldete „Spiegel Online“ vor kurzem mit einem extragroßem Aufmacher. Der Chefökonom der Internationalen Energieagentur, Fatih Birol, halte das Begrenzen der Erderwärmung auf höchstens zwei Grad plus nur noch für „eine nette Utopie“.

Sechs Stunden später: Der Aufmacher ist verschwunden. Nach intensivem Suchen lässt er sich noch in der Rubrik „Wissenschaft“ finden – unter Ferner liefen. Es ist nicht anzunehmen, dass die Bundeskanzlerin, der Bundeswirtschaftsminister, die Chefs der Energiekonzerne oder gar die Präsidenten der USA und Chinas die Fakten auch nur zur Kenntnis nahmen.

Apokalypsen im Stundentakt, und die Regierenden haben weder Zeit noch Interesse noch Möglichkeiten, die Probleme anzupacken. Sicherlich, diese „sogenannte Bundesregierung“, wie der „Spiegel“ jüngst schrieb, agiert politisch wie handwerklich auf jämmerlichem Niveau; sie scheint befallen vom Murxismus-Lähminismus. Doch in der globalisierten Welt, in der Nachrichten, Geld- und Warenströme in Sekunden um den Globus jagen, geraten auch die fähigsten Politiker schnell an ihre Grenzen.

Was war denn in den letzten beiden Jahren? Die fette Finanzkrise. Die Erdbeben in Haiti und Chile. Das Ölleck im Golf von Mexiko. Die wochenlangen Brände um russische Atomanlagen. Die Jahrhundert-Sintflut in Pakistan. Die Erdrutsche in China. Alles schon vergessen. Alles schon so lang her. In Haiti werden weiterhin Frauen in Notunterkünften vergewaltigt, Pakistan ist destabilisiert wie noch nie, in allen Meeren wird eifriger denn je nach Öl gebohrt. Und die Spekulanten kassieren genauso weiter wie Ratingagenturen und Steueroasenbewohner. Die Politik ist nicht einmal mehr dann fähig, sie zu stoppen, wenn es um die Zukunft des Euro und der EU geht. Natürlich wurden hektische Beschlüsse gefällt – aber ohne jede Tiefenwirkung.

Man muss sie fast schon bemitleiden, die Herren und Damen Politiker, sie jagen von Krisentreffen zu Krisengipfel, sie jagen den Ereignissen hinterher, gehetzt von Ereignissen, Schlagzeilen, in jeder Stunde, jeder SMS, jeder Twitter-Nachricht ein neuer Skandal; mit der Schnelligkeit wächst die mediale Hysterie, die Zeitnot, die Atemlosigkeit aller Beteiligten; Nachdenken, Besinnen, gar kreative Problemlösung sind Fremdworte geworden, was alle bestätigen, die mit Berliner Regierungspersonal zu tun haben: „Die entwickeln keine Strategien mehr“, hört man allenthalben; wie ein Junkie klebt die Kanzlerin an ihrem Handy, versendet SMS-Nachrichten, versucht damit die Kontrolle über die Ereignisse und ihre eigenen Leute zu behalten, eine neue Form von Voodoo und genauso wirkungslos.

„Rasender Stillstand“, so nannte Paul Virilio diesen Zustand, „die Diktatur des Jetzt“ sei das, befand der Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber – und erinnerte daran, dass die Menschheit in einem Jahr so viel Öl verbrennt, wie in 5,3 Millionen Jahren entstanden ist. „Nachhaltigkeit“? Ein Treppenwitz.

Die Zeitspanne, in der die nächste Sau durchs Dorf getrieben wird, wird notwendigerweise immer kürzer. In seinem Buch „Beschleunigung“ beschreibt der Soziologe Hartmut Rosa das Paradox der Moderne so: „Wir haben keine Zeit, obwohl wir sie im Überfluss gewinnen“. Einerseits verfügt die Menschheit über historisch einmalig viele Möglichkeiten, Zeit einzusparen. Andererseits scheint dieselbe Zeit immer schneller zu rasen. Laut Rosa kommen drei Arten von Tempoverstärkung zusammen: die technische Beschleunigung, die Beschleunigung des Lebenstempos und die Beschleunigung sozialer und kultureller Veränderungsraten. Die Folge: Der Zeitraum für Entscheidungen schrumpft, die Zahl notwendiger Entscheidungen wächst, und die Kluft dazwischen reißt auf wie ein Abgrund, auf dessen Rand die Entscheidungsträger traumtänzeln – sie reagieren nur noch und agieren nicht mehr. Die Gefahr ist real, dass sich in den nächsten Jahrzehnten Naturkatastrophen und Wirtschaftskrisen so überstürzen und überlagern, dass nicht einmal mehr die reichen Länder genug Geld, Zeit und Ressourcen zu ihrer Bekämpfung haben, und die wachsende Zahl fragiler Staaten erst recht nicht.

Das klingt extrem düster. Andererseits gibt es unglaublich viel hoffnungsvolle Bewegung von unten, und sie scheint weltweit einen Epochenbruch anzukündigen. Symptome sind die Arabellion mit ihrem Schrei nach Demokratie, Brot und Würde, die direkte Demokratie auf den öffentlichen Plätzen von Kairo und Madrid, die anschwellende Wachstumskritik, der Ruf nach solidarischer Ökonomie und Gemeinwohlwirtschaft, der Massenumstieg auf erneuerbaren Energien und umweltfreundlichere Produktionsweisen. So disparat diese Bewegungen erscheinen mögen, so vielfältig ihre Motive, sie haben doch eins gemeinsam: das Verlangen nach Wiederaneignung und Rückgängigmachen von Entfremdung: Wiederaneignung von Politik, Wirtschaft, Demokratie, öffentlichen Räumen, Arbeits- und Lebensweisen, Wiederverfügung über Gemeingüter, Energie, Mobilität und fruchtbarem Boden, Verkürzung von Handels- und Handlungsketten.

Vor allem zwei technologische Umwälzungen haben das möglich gemacht: das Internet und die dezentralen erneuerbaren Energien. Beide schaffen die neue materielle Basis, dass Menschen mit der Hierarchie zwischen Machtzentralen und Untertanen, Sendern und Empfängern brechen können, beide machen es möglich, dass Demokratie als Selbstbestimmung der Menschen neu gelebt wird, auch als Medien-, Wirtschafts- und Energiedemokratie. Mühsam, noch sehr unreif und instabil, mit allen Problemen und Widersprüchen, zeigt sich hier der Anfang einer neuen ökosozialen Gesellschaftsformation jenseits des erdölgetränkten Turbokapitalismus.

Es sind Versuche, die Souveränität über das eigene Leben und die Gestaltung der Gesellschaft wiederzuerlangen. Wiederaneignung schafft auch Entschleunigung und Verlangsamung. Lautstark fordern Menschen überall, ihr Schicksal mitzubestimmen – ob bei den Antiatomdemonstrationen oder auf dem Tahrirplatz. Sie reklamieren, es besser zu können als die abgehetzte abgehalfterte politische Klasse. Dieser politische Klimawandel könnte entscheidend mithelfen, den physikalischen aufzuhalten. Die verstorbene Alternative Nobelpreisträgerin Dekha Abdi Ibrahim aus Kenia drückte es so aus: „Wenn genug Individuen, Städte und Religionsgemeinschaften auf klimafreundliche Strategien setzen, wird die Politik nachziehen. Von oben wird es keinen Wandel geben. Die Politik führt nicht, die Gesellschaft führt – und die Politik folgt.“ Ute Scheub

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Alltags-Helden. Heute: Sozialminister Baaske

Während andere Politiker urlaubend auf Jachten herumbrausen oder sich für ein Interview per Hubschrauber an den Nordseestrand verfrachten lassen, absolviert Brandenburgs Sozialminister Günther Baaske ein Praktikum in einem Altenheim in Bad Belzig. „Die Anerkennung für den Beruf (der Altenpflege) ist bei mir enorm gewachsen“, verriet der dem Deutschlandradio in einem Interview. „Es ist eine Arbeit, die psychisch, aber auch physisch wirklich große Anforderungen stellt an jeden Einzelnen.“ Die Altenpflegerinnen müssten besser bezahlt werden: „Es ist ja leider so, dass, wenn Sie an Ihrem Auto die Reifen wechseln lassen, dass derjenige wesentlich besser bezahlt wird als der, der womöglich Ihrem Vater oder Ihrer Mutter hier die Windeln wechselt.“

Er mache das mit den Praktika schon viele Jahre: „Ich habe ökologische Gebäudesanierung gemacht, ich war im Hochbau, ich war im Tiefbau, war in der Kinderkrippe und Kindergarten, war im vergangenen Jahr in einer Werkstatt für behinderte Menschen, immer eine Woche, und ich muss sagen, diese Woche gibt mir unendlich viel, sie bereichert, wenn man wirklich mal tiefer einsteigt, als man es ansonsten bei den ministeriellen Besuchen mitkriegt.“

Wäre das nicht eine großartige Sache für alle Minister? Praktika in all den Lebensbereichen, die sie verwalten? Bundessozialministerin Ursula von der Leyen bekocht eine Woche eine Familie, die ihre Lebensmittel von Hartz IV bezahlen muss. Bundesumweltminister Norbert Röttgen wechselt eine Woche Brennelemente in einem Atomkraftwerk und wertet die Radioaktivitätsmessungen aus. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer muss eine Woche lang für pünktliche Züge sorgen. Bundesgesundheitsminister Bahr leert eine Woche Nachttöpfe im Krankenhaus. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble verfolgt eine Woche lang Steuerhinterzieher. Wetten, dass die Politik sich dadurch verbessern würde?

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Blaue Ökonomie schließt Arme mit ein

Gunter Pauli, der charismatische Mitbegründer der „Blue Economy“, ist der Überzeugung, dass „Grüne Ökonomie“ allein nicht genügt – die Produkte sind zu teuer für die Armen. Er plädiert deshalb für einen neues „Geschäftsmodell“, wie er das nennt. Hier ein Interview, das Annette Jensen und ich für die Pfingstausgabe der taz mit ihm geführt haben. interviewpauli

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Gute Nachrichten

Beim „tazlab“-Medienkongress am 9.April im Berliner Haus der Kulturen der Welt haben sich bei unserer „Goodnews“-Veranstaltung mehrere Medienprojekte zur Nachhaltigkeit vorgestellt, Annette Jensen und ich haben die bisherigen Goodnews-Ausgaben der taz vorgeführt. Weil die sich so gut verkauften, gibt es sie nicht mehr im Print. Deshalb hier für alle Interessierten die PDFs. Hier die erste Ausgabe von Pfingsten 2009: eine-andere-welt-wird-sichtbar
Hier die „Glücks-taz“ vom Nikolaustag 2009: s17-18-son1-01 s18-19-son2-02 20-21 272 s22-23-son11-01 24-25 s28-29-son8-01 s30-31-kultur-01 s33-pol-01 s36-37-reise1-01 s39-son9-011

Hier die „Regio-taz“ vom November 2010: power-aus-der-provinz_20112010

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Der Untergang Japans

Der Atomexperte Najmedin Meshkati von der University of Southern California hat laut heutigen Agenturmeldungen gesagt, die Situation in Fukushima sei deutlich ernster als angegeben. „Das ist deutlich mehr als das, was eine Nation alleine bewältigen kann.“ Meshkati forderte ein Eingreifen des Uno-Sicherheitsrates. Der Sicherheitsrat erscheint dafür in keiner Weise gerüstet – aber unabhängig davon ist klar, dass der verzweifelte Versuch, Japan vor jahrhunderterlanger Verseuchung zu retten, noch Monate dauern kann.

Hier der übersetzte Artikel eines japanischen Journalisten, der schon in seinem 2010 erschienenen Buch „Zeitbombe Atomreaktor“ prophezeite, dass es Japan in zehn Jahren wegen des mangelhaften Erdbeben- und Tsunami-Schutzes für seine Atommeiler „mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit… nicht mehr geben wird.“ Es ist der ausdrückliche Wunsch dieses atomkritischen Journalisten, der in seinem eigenen Land wenig Resonanz erhielt, dass der Artikel eine breite Veröffentlichung erfährt. Deshalb setze ich ihn auf meine Website und hoffe, dass dies noch viele andere Menschen tun werden. Hier der Artikel:

Von Takashi Hirose

„Am 11. März 2011 kam es zum Sanriku-Oki-Erdbeben1 im Nordosten Japans, in dessen Verlauf der Druck im Sicherheitsbehälter des 1. Reaktorblocks des Kernkraftwerks Fukushima Eins außergewöhnlich stark anstieg und danach das Gebäude explodierte. Kurz darauf explodierte auch der 3. Reaktorblock in gleicher Weise. Überdies wurde im 2. Reaktorblock das Druckabbaubecken, das sich im Sicherheitsbehälter befindet, beschädigt. Nehmen die Beschädigungen weiter zu, so steuern wir auf eine hoffnungslose Katastrophe zu. Gleichzeitig breitet sich über den Köpfen der Japaner eine große Flut von Radioaktivität aus. Was ist eigentlich geschehen?

Die Ungeheuerlichkeit, mit der Energiekonzerne und Medien das Wort „unvorhersehbar“ missbrauchen

Ein Tsunami sei eine Naturkatastrophe, gegen die man machtlos ist. So sehe eben das Schicksal Japans aus. Doch dieser verheerende Reaktorunfall ist eine von Menschen verursachte Katastrophe. Verantwortlich dafür sind nicht nur die Energiekonzerne, sondern auch die Fernsehsender, die bisher kein einziges Mal die kritische Situation anprangerten sowie die als Experten bezeichneten Professoren, die bei ihren Fernsehauftritten nur Unsinn von sich gaben.

Am 11. März 2011 um 14:46 Uhr (japanischer Zeit) gab es vor der Küste von Sanriku, ca. 130 km im Ostsüdosten der Halbinsel Oshika-Hantô (38° nördlicher Breite, 142°9‘ östlicher Länge), in 24 km Tiefe ein riesiges Erdbeben der Stärke 9,0. Dass die Stärke des Erdbebens von zuerst 8,4 dann auf 8,8 und zuletzt auf 9,0 revidiert wurde, ist äußerst verdächtig. Meiner Meinung nach haben Menschen, die dieses Erdbeben zum „größten der Weltgeschichte“ machen mussten, weil der Reaktorunfall immer schlimmere Ausmaße annahm, die Werte angehoben. Ganz ähnlich hat sich die chinesische Regierung beim großen Erdbeben von Sichuan (2008) verhalten.

Bezüglich der Bebenwellen wurden beim diesmaligen Erdbeben in Tsukidate (Stadt Kurihara, Miyagi-Präfektur) 2933 Gal gemessen, was einer dreifachen Erdbeschleunigung entspricht. Beim Iwate-Miyagi-Binnenlanderdbeben der Stärke 7,2 im Jahr 2008 wurden jedoch von der Messstelle der Stadt Ichinoseki (Iwate Präfektur) 3866 Gal vertikaler Bewegung festgehalten. Das ist mehr als dieses Mal.
Der staatliche japanische Rundfunk (NHK) betont, es handle sich um „ein Erdbeben, das nur alle 1000 Jahre passiert“, doch die tatsächlichen Schäden dieses Sanriku-Oki-Erdbebens2 und die Ursachen für die Reaktor-Erdbebenkatastrophe gehen auf den Tsunami zurück. Folglich muss gefragt werden, ob die Bedrohung durch einen Tsunami nicht vorausgesehen werden konnte. Unter den japanischen Küsten-Erdbeben wurde schon im Jahr 1896, also ca. vor 100 Jahren, beim Meiji-Sanriku-Erdbeben die Tsunami-Höhe an den Ufergebieten von Iwate gemessen: in Ryôri 38,2 m, in Yoshihama 24,4 m und in Tarô 14,6 m. Deshalb kann ich den Medien nur sagen, sie sollen das Wort „unvorhersehbar“ nicht billig missbrauchen. Und sie sollen aufhören, einen Schaden zu analysieren, nachdem er eingetreten ist. Wer nach dem Unfall behauptet, er sei „unvorhersehbar“ gewesen, ist kein Experte. Für mich Normalsterblichen war alles voraussehbar, und es ist das eingetreten, was ich in meinem im August 2010 veröffentlichten Buch Genshiro jigen bakudan (Zeitbombe Atomreaktor)3 beschrieben habe. Die Energiekonzerne haben nur „absichtlich nichts vorausgesehen“ und die Schuld, die sie sich damit den Strahlenopfern gegenüber aufgeladen haben, ist unermesslich groß.

Nur bei drei der elf Reaktorblöcke gelang der Cold Shutdown
Um das verstehen zu können, müssen wir uns die Ereignisse des letzten Jahres in Erinnerung rufen. Am 25. März 2010 gab der Energiekonzern TEPCO (Tokio Electric Power Company) die vollkommen willkürliche Entscheidung bekannt, dass der 1. Reaktorblock des Kernkraftwerks Fukushima Eins, der am 26. März 1971 in Betrieb genommen wurde, weiterlaufen solle. Ein völlig überalterter Reaktor, der demnächst 40 Jahre läuft, konnte nach der eigenmächtigen Entscheidung des Konzerns insgesamt 60 Jahre betrieben werden, und die NISA (Nuclear und Industrial Safety Agency) erteilte die Genehmigung. Wie bei den Atomkraftwerken von Tsuruga und Mihama (Fukui Präfektur) war dieser Beschluss äußerst bedenklich und gefährlich. Darüber hinaus wurde am 26. Oktober letzten Jahres im ebenfalls überalterten 3. Reaktorblock des Kernkraftwerks Fukushima Eins, der bereits 34 Jahre in Betrieb ist, der gefährliche Plutonium Thermal Use mit Plutonium als Brennstoff gestartet.

Das Kernkraftwerk Fukushima Eins wurde unter den japanischen Kernkraftwerken mit dem niedrigsten Grenzwert für Erdbeben von 270 Gal geplant und gebaut und ist somit das Atomkraftwerk mit der geringsten Erdbebensicherheit. Und dort ist es nun zur Kernschmelze gekommen. In der Präfektur Fukushima, wo mit Erdbeben der Stärke 7.9 gerechnet wird, verläuft die über 70 km breite Futaba-Verwerfung4.

Beim Ausbruch des Erdbebens waren im Kernkraftwerk Fukushima Eins der 1., 2. und 3. Reaktorblock in Betrieb → Scram (Reaktorschnellabschaltung), 4., 5. und 6. Reaktorblock waren zur Routinekontrolle abgeschaltet, im Kernkraftwerk Fukushima Zwei erfolgte bei allen Reaktorblöcken (1, 2, 3 und 4) → Scram (Schnellabschaltung). Steuerstäbe wurden eingeschoben und die Kernspaltungsreaktion in allen Blöcken gestoppt. Aber … …

Vor dem Erdbeben war propagiert worden, es bestehe kein Grund zur Sorge, da die Kernkraftwerke nach einem Erdbeben über die Funktionen „Stoppen“, „Kühlen“ und „Einschließen“ verfügten. Von den Reaktorblöcken aller elf automatisch abgeschalteten Atomkraftwerke sind es heute am 14. März, vier Tage nach dem Erdbeben, nur drei (Kernkraftwerk Fukushima Zwei 3. Reaktorblock, Kernkraftwerk Onagawa 1. und 3. Reaktorblock), deren Zustand einem Cold Shutdown entspricht, d.h. ein stabiler Zustand, wo im Reaktorblock eine Temperatur unter 100° C und ein dem Luftdruck ähnlicher Druck herrscht, die restlichen acht Blöcke laufen unkontrolliert weiter.

Die Kernschmelze setzt nicht erst bei 2800° C ein, sondern schon bei 600° C
Bei einem Reaktor von 1 MW Stromkapazität beträgt die Wärmeproduktion das Dreifache, also 3,3 MW. Wurden diese Reaktoren auch automatisch abgeschaltet, so sondert die zerstörerische Wärme danach dennoch unentwegt Spaltprodukte ab und beträgt nach einem Tag immer noch 15.560 KW. Sei der Brennwert noch so niedrig, wird doch permanent Wärme ausgestrahlt, die beseitigt werden muss, solange die Brennstäbe im Reaktor sind, denn die Hitze wird in einem Reaktor, der ja ein geschlossenes System darstellt, ständig größer und größer.

Und kann man die Hitze nicht abführen, dann gibt es bald keine Kühlflüssigkeit mehr, da Wasser bei 100° C verdampft, wodurch die Brennstäbe schließlich bloßliegen. Kommt es so weit, dann tritt durch die Schmelzung höchst gefährliches radioaktives Material aus und die Brennstäbe sinken ab. Dies wird als Kernschmelze oder Meltdown bezeichnet. Wenn die Brennstäbe nacheinander absinken, dann sammeln sie sich auf dem Reaktorboden, wodurch ihre Temperatur stetig ansteigt und sie zu glühen beginnen. Schließlich schmilzt der Stahl des Druckbehälters, sein Boden wird durchlässig und das ganze radioaktive Material tritt nach außen. Dieses Phänomen bezeichnet man als „China-Syndrom“.
Überdies reagiert das Zirkonium der Brennstabhüllen chemisch mit Wasser und oxidiert, wodurch Knallgas5 entsteht. Da der niedrigste Explosionswert für Wasserstoff bei 4,2% liegt, kommt es zu einer Explosion, sobald dieser Volumenanteil erreicht ist.

Bei einem Siedewasserreaktor wie des Kernkraftwerks Fukushima liegen die Bedingungen für einen normalen Betrieb bei 70 atm und Temperaturen zwischen 280 – 290° C. Üblicherweise wird davon ausgegangen, dass die Kernschmelze durch Überhitzung der Brennstäbe bei einer Temperatur von 2800° C eintritt, aufgrund der Analyse des Three-Miles-Island-Reaktorunfalls jedoch stellte sich heraus, dass es tatsächlich schon bei 600° C dazu kommt (Französische Dokumentation „Alarmglocke Kernkraft – die Sicherheit der Atomkraftwerke hinterfragt“, Ausstrahlung 6. – 7. Juli 2009, NHK BS1). NHK und andere Sender haben ihre regierungstreuen Wissenschaftler mobilisiert und bekräftigen „die in der Menschheitsgeschichte beispiellose Stärke 9“. Betrachtet man jedoch die Zerstörung der Gebäude, so erkennt man, dass die Erschütterung beim Erdbeben in Kôbe sehr viel stärker war. Die Schäden sind also nicht auf das Erdbeben an sich zurückzuführen, sondern vorwiegend auf den Tsunami.

Eine aufgrund der Erdbewegung erfolgte „Reaktor-Erdbebenkatastrophe“ ist in Japan tatsächlich eingetreten
Eine Stunde nach dem Erdbeben, um 15:42 Uhr, verlor das Kernkraftwerk Fukushima Eins seine ganzen Wechselstromquellen, sodass kein Strom von außen ins Kraftwerk gelangte. Würden jetzt noch die Stromquellen innerhalb des Kraftwerks versagen, entstände ein Zustand, in dem rein gar nichts mehr unternommen werden konnte. Und in dieser Lage überfiel der Tsunami die Anlage. Um 15:45 Uhr wurden der Öltank weggerissen, das Stromleitungssystem, darunter die Schalttafeln, überflutet und innerhalb des Reaktors konnte nichts mehr unternommen werden. Um Wasser in den Reaktor einzuspeisen, setzte man die Notkühlung (ECCS) in Kraft, die gleich darauf nicht mehr arbeitete. Auch die Notfall-Dieselgeneratoren funktionierten nicht. Der Stromkreis war mit Wassermassen überflutet und das Stromleitungssystem völlig lahmgelegt. Sowohl Computer als auch die andere Elektronik funktionieren jedoch nur mit Strom.

Für den Fall, dass sowohl die Stromquellen im Reaktor als auch die Notfall-Dieselgeneratoren, also jegliche Energie verloren geht, ist das RCIC (Reactor core isolation colling system) vorgesehen. In dieser Vorrichtung bringt der Dampf der Zerfallswärme eine Turbine in Bewegung, die eine Pumpe zur Wassereinspeisung antreibt. Doch auch diese Vorrichtung arbeitet nicht, wenn die Kontrollfunktionen nicht mehr vorhanden sind.

Da die Notfall-Dieselgeneratoren schon von Anfang an nicht funktionierten, liegt der Schlüssel der ganzen Katastrophe in der Frage, ob Generatoren zum Atomkraftwerk transportiert wurden oder nicht. Doch sogar über diese Tatsache von höchster Priorität gab es keine Nachrichten, was zeigt, wie wenig Fernsehreporter über Kernkraftwerke wissen.

Der Wasserpegel im 1. Reaktorblock sank unablässig. Durch Not-Kondensatoren und das RCIC versuchte man, den nötigen Wasserstand wiederherzustellen, doch wurde der beim Reaktorbau zur Höchstbelastung festgelegte Druck des Sicherheitsbehälters von 4 atm wahrscheinlich mit einer Größe von 8 atm weit überschritten. Dadurch gab es keinen Wärmeabbau, der Wasserpegel sank weiter und vom 4 Meter langen Brennstab ragte 1 Meter aus dem Wasser heraus.

Da der Sicherheitsbehälter zerstört wird, wenn der Druck ansteigt, öffnete man Ventile, um das unter hohem Druck stehende Gas zusammen mit radioaktiven Elementen nach draußen zu leiten. Wenn man den Verlauf dieses Unfalls betrachtet, dann ist Pessimismus angesagt. Doch inzwischen ist die Stufe, auf der man ein Manuskript zur Analyse des Unfalls hätte schreiben können, schon überschritten. Am Mittag des 15. März hatte die radioaktive Strahlung auf dem Gelände schon das 3,5 millionenfache des normalen Störfallplanungswertes erreicht. Im Fernsehen sprachen sowohl die Kommentatoren als auch die Politiker unentwegt von einer winzigen Menge. Wer so etwas tut, ist ein skrupelloser Verbrecher. Darüber hinaus wurde der Sicherheitsbehälter des 2. Reaktorblocks zerstört und im Gebäude des 4. Reaktorblocks fing das Wasser des Abklingbeckens an zu kochen. Hier befinden sich mehr radioaktive Elemente als im Kernreaktor. Meiner Vermutung zum jetzigen Zeitpunkt (15. März, 17 Uhr) nach, ist keine Lösung des Problems möglich, da sich kein Arbeiter dem Abklingbecken nähern kann. Ich wünsche von Herzen, dass meine Vermutung nicht zutreffen wird. Wenn es in einem der sechs Reaktorblöcke des Kernkraftwerks Fukushima Eins zu einer Kernschmelze kommt, dann kann dort kein Arbeiter mehr bleiben. Alle werden flüchten und den Reaktorblock aufgeben. Und danach kommt es zu einer Kettenreaktion, die auf die restlichen Blöcke übergreift.

In diesem Kraftwerk mit all seinen Reaktorblöcken befindet sich wahrscheinlich 10mal so viel Radioaktivität wie im havarierten Kernkraftwerk von Tschernobyl. Trotzdem werden Regierung, NISA, Energiekonzerne und die regierungstreuen Wissenschaftler des Fernsehens sicher weiterhin behaupten, die Radioaktivität sei harmlos. Wenn die japanische Bevölkerung dumm ist, dann glaubt sie dies und nimmt radioaktiv kontaminiertes Gemüse zu sich. Und sofort stirbt man daran nicht. Doch man weiß, dass das Risiko, an Krebs zu erkranken, sehr hoch ist. Nur Sie, die Sie um die wirklichen Sachverhalte wissen, können Ihre Kinder beschützen.

In meinem Buch Genshiro jigen bakudan (Zeitbombe Atomreaktor) steht
„Wenn mir die Frage gestellt wird: ‚Gibt es in 10 Jahren noch dieses Land Japan?‘, dann muss ich mit einer schlimmen Vorahnung antworten: ‚Mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit wird es dieses Land nicht mehr geben.‘ (…) Über das, was auf uns zukommt, kann ich keine detaillierten Informationen liefern, aber uns erwartet ein schreckliches, düsteres Zeitalter. Welche Gestalt es hat, will ich mir gar nicht ausmalen, denn uns erwarten die Schrecken einer ‚Reaktorkatastrophe‘ aufgrund von Erdbewegungen, die nicht im verstandesmäßigen Ermessen der Menschen liegen.“

Und wenn nun wirklich das eingetroffen ist, dann bleibt mir nur noch tiefe, schmerzliche Trauer.“

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Doktor- und Adelstitel für alle!

Und wieder sind die Zeitungen voller Geschichten über Dr. Feelgood alias Dr. a. D. Fehlgutt. Jahaha, da lernt man, wie man es machen muss: Der Universität Bayreuth ein paar Tausender als Spende überweisen, und schon… summa cum fraude. Oder SUMMA CUM gekLAUTE. Wie? Was? Natürlich besteht hier keinerlei Zusammenhang, KEINERLEI! Das haben sicherlich auch diejenigen weit von sich gewiesen, die gestern in einer Demonstration vor dem Berliner Verteidigungsministerium dem Minister die Schuhsohle gezeigt haben.

Im Übrigen verstehe ich die Aufregung der Demonstranten nicht, leistet der Minister doch gerade einen wertvollen Beitrag zur Demokratisierung der Gesellschaft. Er zeigt uns allen beispielhaft: Es ist soooo einfach, einen Doktortitel zu ergattern! Deshalb sollten wir alle sein Werk konsequent zu Ende und selbst einen Doktortitel führen. Und wenn wir schon dabei sind, gleich einen Adelstitel dazu.

Findet: Freifrau Doktor Ute von und zu drunter und drüber Scheub
P.S.: Zu dumm, dass ich meinen Doktortitel schon vor der Guttenberg-Affäre besaß. Hätte ich mir doch viel Arbeit ersparen können!

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Hunderttausende in Wut und Zorn

Erneut haben gestern Hunderttausende protestiert, in der Hauptstadt und in insgesamt 230 Städten und Gemeinden. Sie sind wütend und zornig, sie fordern „Würde und Freiheit“, sie verlangen den Rücktritt des autoritären Herrschers, sie kämpfen „für die Würde der Frauen“. „Erst Mubarak, dann Silvio!“, schreien sie. Auch wenn es wenig wahrscheinlich ist: Hoffen wir, dass Bordellusconi, dieser Schwanz auf zwei Beinen, endlich geht und Italien befreit wird.

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Schuhsohlenzeigen hat gewirkt!

Mubarak ist abgetreten! Großartig! Das ägyptische Volk hat mit seinem mutigen und bewundernswerten Aufstand gezeigt, dass gewaltfreie Revolutionen möglich sind – auch dann, wenn die Gegenseite zu Gewalt greift. Ob wohl das kollektive Schuhsohlenzeigen auf dem Tahrirplatz der letzte Anstoß für den Abgang des Pharao war?

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Schuhsohlen für Mubarak

Wunderbar, wie die Leute auf Kairos Befreiungsplatz kollektiv ihre Schuhsohlen gegen den Diktator Mubarak hochhielten!, als dieser ihren Freiheitswillen mit einer nichtssagenden Rede beleidigte.

Übrigens haben Forscher der Princeton University ein flexibles Material für Schuhsohlen entwickelt, das die mechanische Energie der Füße zu achtzig Prozent in elektrische Energie umwandelt. Es handelt sich um ein gummiartiges Sandwich aus Silikon und weiteren Stoffen, die unter mechanischem Druck eine Spannung aufbauen. Diese Spannung lässt Strom fließen. Irgendwann werden wir also beim ganz alltäglichen Gehen nutzbare Elektrizität erzeugen.

Aber vielleicht ist es ganz gut, dass die Ägypter solche Schuhe noch nicht tragen. Ihr Zorn hätte sonst den ganzen Tahrirplatz unter Strom gesetzt.

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Frauen fördern heißt Kriege verhindern

Am 20.Februar erscheint im Westend Verlag das von taz-Chefredakteurin Ines Pohl herausgegebene Buch „50 Vorschläge zur Veränderung der Gesellschaft“, für das ich zusammen mit Mathias Bröckers und Jürgen Gottschlich die Redaktion gemacht habe. Hier ein Auszug aus einem meiner darin veröffentlichten Beiträge:

„Wo Frauen das Sagen haben, geht es auch den Männern besser“, behaupten zunehmend auch Männer. Zum Beispiel Ricardo Coler, ein argentischer Reporter. Bei der chinesischen Minderheit der Mosuo gebe es weder Ehen noch Kleinfamilien und Gewalt, dafür viele Freiheiten für Frauen und Männer, berichtet er in seinem Buch „Das Paradies ist weiblich“. Maos Kommunisten hatten die Musuo-Männer vom Leben in der mutterzentrierten Großfamilie abbringen wollen – sie weigerten sich.

Ähnlich sah es bei den Semai aus, die bis in die 1980er Jahren unberührt im tiefsten Dschungel von Malaysia lebten. Ethnologen berichteten, die Semai seien das friedlichste Völkchen der Erde, sie kennten keinen Statusunterschied zwischen Frauen und Männern, keine Aggression oder sexuelle Gewalt, auch keinen Staat, kein Privateigentum, keine Hierarchien. Ehen würden auf Zeit geschlossen, außereheliche Beziehungen sähen die Semai als „ein Ausleihen“. Konflikte würden in langen Palavern gelöst. Die Semai sagten über dieses Verfahren: „Es gibt mehr Gründe, einen Disput zu fürchten als einen Tiger.“

Von insgesamt 25 friedfertigen Gesellschaften, die die US-Friedensforscherin Elise Boulding auf www.peacefulsocieties.orgvorstellt, sind 19 geschlechteregalitär: Der Status von Frauen und Männern unterscheidet sich nicht. Es existiert offenbar ein enger Zusammenhang zwischen Statusgleichheit und Friedensfähigkeit. (…)

Statusunterschiede können umgekehrt leicht zu innerer und äußerer Gewalt führen, das weiß man auch von der Unterdrückung ethnischer oder religiöser Minderheiten. Der Geschlechterstatus aber ist ein strategisches Schlüsselelement, weil die konkrete Erfahrung von Gleichheit oder Ungleichheit oder gar Gewalt zwischen Eltern schon bei kleinen Kindern die Spur bahnt, ob sie in ihrem späteren Leben egalitär-gelassen oder autoritär-aggressiv mit allen „Anderen“ umgehen.

Marx hat mit einem schönen Spruch das ganze Elend des Geschlechterkampfs auf den Punkt gebracht – nein, nicht Karl, sondern Groucho Marx. Der Komiker sagte zu einer Dame, die sich seinem Sitzmöbel näherte: „Madam, ich würde ja meinen Sitz für Sie aufgeben, wäre da nicht die Tatsache, dass ich selbst darin sitzen würde!“ Männer wollen Machtpositionen nicht gern abgeben, obwohl es ihnen selbst nützen würde.

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Wie gemein: Randalierende Wildsau wird verwurschtet

So eine menschliche Sauerei ohnegleichen! Da hat ein offenbar hochintelligentes Wildschwein aus dem Westerwald genau erkannt, was sich hinter den heuchlerisch-fröhlichen Schweinebildchen auf einer Metzgerei in Höhr-Grenzhausen verbirgt. Kurz entschlossen nahm es Anlauf, drückte die Eingangstür ein und attackierte die Fleischtheke. Die Fleischverkäuferin flüchtete, eine Kundin ebenfalls. Der Keiler wusste anscheinend genau: Hier geht es um die Wurscht!

Und die Gemeinheit ist: Nun wird er zur derselben verarbeitet.

Die Vereinigung der Vegetarier Deutschlands hat es leider verpennt, dieser armen Sau rechtzeitig die Goldmedaille für mutigen Tierschutz zu verleihen. Stattdessen wurde das Wildschwein von einem Jäger erschossen. Friede seiner Wurst und seinen Schnitzeln.

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Noch mehr gute Nachrichten

Zum dritten Mal haben wir in der heutigen „Sonntaz“ auf 13 Sonderseiten ausschließlich gute Nachrichten veröffentlicht – diesmal Erfolgsgeschichten und vielversprechende Projekte aus der Provinz. (Links zu den beiden ersten Ausgaben weiter unten in meinem Blog) Hier geht es zur Übersicht, hier zu meinem Artikel über die „Powerpflanze“ Madeleine Porr bzw. Amaranth, hier zu meinem Feature über Terra-Preta-Pionierprojekte im Schweizer Wallis und im pfälzischen Hengstbacherhof, hier zu Annette Jensen Reportage über Regiogeld, hier zu Stephan Koschs Interview mit Joachim Sikora, dem Vordenker des „regionalen Aufbruchs“. Nicht alle Artikel stehen im Internet, weitere sind in der Printausgabe zu finden.

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Gute Nachrichten

Weil die Medien voll von schlechten Nachrichten sind, produziere ich immer wieder sehr bewusst gute Nachrichten. Am 31.Oktober 2010 um 13:25 Uhr wird unsere Website visionews online gehen – mit Visionen, Erfolgsgeschichten und guten Nachrichten.

Um 13:25 Uhr deshalb, weil es um die Umsetzung der UN-Resolution 1325 zu Frauen, Frieden und Sicherheit gehen wird, die an jenem Tag zehn Jahre alt wird. Diese Resolution des Sicherheitsrates ist keineswegs eine „Frauenresolution“, und bei ihrer Umsetzung geht es auch nicht um Political Correctness. Sondern um ein Schlüsselelement in der internationalen Außen-, Entwicklungs- und Sicherheitspolitik, wenn es darum geht, Kriege und Gewalt zu verhindern und Friedensprozesse nachhaltig und effizient zu gestalten.

Dies kann man auch in der von mir mitkonzipierten Ausstellung sehen, die derzeit vor der Nase des UN-Sicherheitsrats in New York und demnächst in Berlin und Bern zu sehen sein wird. Hier ein Artikel darüber.

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